Schwäbische Zeitung: Die Terrorbande hat viel erreicht – Leitartikel zu Egyptair-Absturz

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Man kann es drehen und wenden, wie man will:
Ihrem wichtigsten Ziel, nämlich Angst und Schrecken zu verbreiten,
sind die islamistischen Terroristen schon sehr nahe gekommen. Die
Opfer ihrer Anschläge sind ihnen ja lediglich Mittel zum Zweck, das
Wesen des Terrors ist die Verunsicherung möglichst vieler Menschen.
Dieses Kalkül geht mehr oder weniger auf, wenn der Gedanke an Terror
alltäglicher Reflex geworden ist. Noch liegt die Absturzursache der
ägyptischen Passagiermaschine im Nebulösen, aber schon dieses
Nebulöse bedeutet einen Erfolg der Mörderbande. Wer einen Anschlag
nicht ausschließen kann, hält ihn eben für möglich oder gar
wahrscheinlich.

In wenigen Wochen beginnt in Frankreich die
Fußball-Europameisterschaft. Auch hier gilt: Die Terroristen haben
schon viel erreicht. Denn in die Vorfreude hat sich ein zunehmend
mulmiges Gefühl gemischt. Es mutet wie das sprichwörtliche Pfeifen im
Walde an, wenn die französischen Behörden beteuern, sie hätten die
Lage bestens im Griff. Das stimmt natürlich nicht. Es kann gar nicht
stimmen, weil Unberechenbarkeit ebenfalls ein Wesenszug des Terrors
ist. Kein Sicherheitsapparat der Welt wäre in der Lage, die
tausendfachen Möglichkeiten für Anschläge bei einem Großereignis wie
diesem im Auge zu behalten. Nur mit viel Glück wird nichts passieren.
Als nicht sehr hilfreich muten auch die Warnungen des
Bundeskriminalamts an.

Das Eröffnungsspiel sei gefährdet, das Endspiel sei gefährdet,
weiche Ziele – Zuschauer beim Public Viewing etwa – seien gefährdet.
Etwas Konkretes wisse man aber nicht. Mit Verlaub: Wenn dies die
Erkenntnisse von Experten sind, dann gibt es viele Millionen
Experten. In Wirklichkeit handelt es sich um eine spezielle Variante
des Pfeifens im Walde. Weil die BKA-Leute Anschläge in Frankreich
befürchten, wollen sie sich quasi absichern. Im Falle eines Falles
könnten sie darauf verweisen, sie hätten ja bereits im Vorfeld
gewarnt. Was sie jetzt aber tatsächlich erreicht haben, ist
zusätzliche Verunsicherung – ganz im Sinne der Terroristen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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