Schwäbische Zeitung: Die Vorwürfe ausräumen – Leitartikel zu angeblich irreführenden Abgasangaben bei Daimler

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Die deutsche Industrie ist weltweit präsent.
Produkte „Made in Germany“ genießen einen hervorragenden Ruf. Höhere
Preise werden häufig aufgrund eines höherwertigen Produktversprechens
akzeptiert. Das gilt für normale Gebrauchsgüter wie für
Großinvestitionen. Deutsche Ingenieurskunst ist die Grundlage für den
Wohlstand in der rohstoffarmen Bundesrepublik, und umso fahrlässiger
ist es, mit diesem Ruf zu spielen.

Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass eine solche
Qualitätsgarantie einigen Konzernen nicht wirklich ein Anliegen ist.
Der daraus folgende internationale Imageverlust könnte für das Land
der Denker und Tüftler üble Folgen haben. Jetzt werden Behauptungen
publik, dass wahrscheinlich Manipulationssoftware bei Diesel-Motoren
als Motorenschutz eingesetzt wurde. Ausnahmeregelungen sollen dabei
ad absurdum geführt worden sein. Um Motorenschäden zu verhindern,
soll die Software bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius die
Abgasnachbehandlungen gedrosselt oder ganz abgestellt haben. Ein
Schelm, wer Böses dabei denkt. Zehn Grad sind über Monate im
mitteleuropäischen Deutschland die Regel oder sogar das Maximum –
nicht die Ausnahme.

Daimler sollte die Vorwürfe schnell ausräumen. Der
Aufsichtsratsvorsitzende sieht das Unternehmen als Spitze der
Reputation der Automobilbauer. Dann muss es für solche einen
kraftstrotzenden Konzern, der am Mittwoch das beste Jahr seiner
Konzerngeschichte gefeiert hat, doch ein Leichtes sein, die Dinge
klar zu stellen.

Es ist im Interesse von Daimler wie der Bundesrepublik nur zu
hoffen, dass die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe nicht der
Realität entsprechen. Nach dem Dieselgate von Volkswagen, der
Pannenserie rund um den Berliner Hauptstadtflughafen oder der
Kostenexplosion beim Bau der Hamburger Philharmonie kann sich
Deutschland nicht schon wieder Meldungen leisten, über die weltweit
nur mit dem Kopf geschüttelt wird. Von möglichen Klagewellen in den
USA soll erst gar nicht gesprochen werden.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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