Schwäbische Zeitung: „Die wahren Helden“ – Leitartikel zur Griechenlandabstimmung

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So ganz ist es ihm nicht gelungen, die Seinen
zusammenzuhalten. Unionsfraktionschef Volker Kauder muss bei der
Griechenlandabstimmung noch mehr Gegenstimmen als beim letzten Mal
hinnehmen. Und das, obwohl – oder vielleicht auch weil – er doch so
unverhohlen gedroht hatte. Doch das Nein einiger Unionsabgeordneter
ist kein Wunder, wenn man bedenkt, unter welchem Rechtfertigungszwang
sie in ihren Wahlkreisen stehen. „Ein Fass ohne Boden, wir zahlen für
den Rest der Welt.“ So oder ähnlich macht sich der Ärger Luft.

Auch wenn einmal mehr die Bosbachs und Willschs im Bundestag als
Helden im Scheinwerferlicht standen, die als Abweichler von sich
reden machen, so hat doch der Abgeordnete Peter Weiß recht: Die
wahren Helden sind jene Abgeordneten, die zugestimmt haben. Die die
Hilfe, wenn auch mit Bauchschmerzen, gegen den überall spürbaren
Widerwillen verteidigen. Die Helden nicht nur aus den
Regierungsfraktionen, sondern auch aus den Reihen den Grünen, die aus
Überzeugung den Kurs der Kanzlerin unterstützen.

Abgesehen davon, dass es eine beispiellose Niederlage Wolfgang
Schäubles gewesen wäre, wenn Deutschland am Ende als einziges Land
Nein sagen müsste, so ist die Abstimmung auch ein Sieg des Prinzips
von Solidarität und Vertrauen auf ein starkes Europa – und wenn man
so will, ein Sieg der Politik über die reine Ökonomie.

Wie nötig ein geeintes und handlungsfähiges Europa ist, darauf
verwies Volker Kauder, der in seiner Rede bemerkenswert wenig auf
Griechenland und bemerkenswert viel auf die Flüchtlingsfrage einging
– und das mit einem Appell zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit
verband. Europa ist mehr als Euro und Cent, das ist die Lehre der
Griechenlandkrise. Es liegt aber in der Hand der Bundesregierung,
diese Erkenntnis anzuwenden und auch in der Flüchtlingsfrage stärker
und schneller die Initiative zu ergreifen – anstatt wie gewohnt
zögernd das Geschehen aus der Beobachterposition aus zu verfolgen und
erst auf dem Höhepunkt der Krise tätig zu werden.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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