Schwäbische Zeitung: Digitaler Klau und reale Kriege – Leitartikel zu den aktuellen Hackerangriffen

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Gleich vier Cyberangriffe binnen wenigen Tagen
haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. In Deutschland wurde das
Computernetz des Bundestags durch einen Trojaner angegriffen. In
Litauen manipulierten Unbekannte zu Propagandazwecken die Webseite
des Armeestabs. In den USA erbeuteten Hacker durch ein Leck in der
Personalverwaltung der Regierung Daten von vier Millionen
Angestellten. Und in der Schweiz wurden die Atomgespräche der
UN-Vetomächte mit dem Iran elektronisch ausgespäht. Vier Attacken,
vier Gemeinsamkeiten: Die Angriffe waren hochprofessionell und mit
einem sehr großen Aufwand betrieben, sie wurden jeweils zu spät
verhindert – aber sie sind trotz aller Raffinesse doch nicht
unsichtbar geblieben.

Es gibt in jedem dieser Fälle mehr oder weniger glaubwürdige
Spuren, die nach Russland und China führen. Konkrete Beweise
existieren nicht. Doch es ist vorstellbar, dass beide Länder, die
sich in einem geostrategischen Wettlauf mit dem Westen sehen, ein
Interesse haben, auch dessen Geheimnisse zu kennen. Der Wert der
gestohlenen Geheimnisse in Washington, Vilnius und Genf lässt sich
schwer beziffern. Dagegen ist durch den Angriff auf das deutsche
Parlament offenbar erheblicher materieller Schaden entstanden. Und
das ist neu.

Die traditionellen Warnungen, wachsam zu sein und mit Daten
sorgfältiger umzugehen, reichen nicht aus. Die Frage ist, ob
Regierungen auch umfangreiche Notfallstrategien entwickelt haben, die
über die normale Schadensbegrenzung und -reparatur nach
Hackerattacken hinaus reichen. Die Frage ist, ob wir bereit sind, die
digitalen Attacken auch selbst zu beantworten – mit gleichen Mitteln,
zur Abschreckung, und um mehr über die elektronischen Waffen der
Gegner zu wissen.

Die Nato-Führung warnt bereits, dass eine folgenschwere
Cyber-Attacke sogar den Bündnisfall auslösen könnte. Mit anderen
Worten: den Krieg. Die Politik muss daher bald eine Diskussion
darüber führen, was dies konkret für Deutschland bedeuten würde.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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