Schwäbische Zeitung: Dogmen über Bord werfen – Leitartikel zum Thema Gemeinschaftsschule

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Zum Schuljahresbeginn am kommenden Montag wird
es in Baden-Württemberg 271 Gemeinschaftsschulen geben. Diese
stattliche Zahl schafft Fakten: Wer auch immer ab dem Frühjahr 2016
im Südwesten regiert, wird die bildungspolitische Uhr nicht um fünf
Jahre zurückdrehen und die Gemeinschaftsschule wieder abschaffen
können. Für einen solchen Zickzackkurs gibt es weder im Landtag noch
in der Bevölkerung eine Mehrheit.

Doch dies bedeutet noch längst nicht, dass an der neuen Schulart
alles rundläuft. Im Gegenteil: Durch den Anspruch der grün-roten
Landesregierung, die Gemeinschaftsschule im laufenden Betrieb zu
entwickeln, waren Fehlentwicklungen und Enttäuschungen von vornherein
zu erwarten.

Umso wichtiger ist es, erkannte Probleme ohne programmatische und
ideologische Scheuklappen im Sinne der Schüler und Lehrer schnell zu
analysieren und anzugehen – und dabei auch manches pädagogische Dogma
über Bord zu werfen, wenn es den Praxistest nicht besteht. Eine neue
Lernkultur fällt nicht mal eben vom Himmel, sondern muss hart
erarbeitet werden – Fehler und Irrwege inklusive.

Wenn Forscher an einer Vorzeige-Gemeinschaftsschule wie in
Tübingen heftige Probleme beim gemeinsamen Lernen verschiedener
Leistungsniveaus feststellen, besteht schlichtweg Handlungsbedarf –
jenseits aller Ideologien und ohne Rücksicht darauf, ob die
entsprechende Studie eigentlich nur für den internen Gebrauch gedacht
war.

Lehrer, Schüler und Eltern haben ein Recht darauf zu erfahren, was
an einer Schule nicht gut läuft und was man verbessern kann. Nur wer
die praktischen Probleme benennt, kann sich von abstrakten
Strukturdebatten über zwei- oder dreigliedrige Schulsysteme lösen und
konkret darüber reden, wie sich die Qualität der Schulen vor Ort
verbessern lässt.

Eine solche Qualitätsdiskussion würde übrigens nicht nur den neuen
Gemeinschaftsschulen dienen. Auch die anderen Schulformen können nur
gewinnen, wenn sie sich immer wieder kritisch hinterfragen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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