Schwäbische Zeitung: Eine neue Fifa muss her – Leitartikel zur Suspendierung Blatters und Platinis

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Den Bezug zur Realität scheint Sepp Blatter
bereits vor Jahren verloren zu haben. Es wurde ihm ja auch nicht
wirklich schwer gemacht. Wenn der Schweizer kam, streckten sich ihm
weltweit die Hände von Staatspräsidenten, Wirtschaftsbossen und sogar
religiösen Würdenträgern entgegen. Der selbstherrliche Mann aus dem
Schweizer Wallis wurde hofiert, weil sein Produkt, der Fußball, die
Massen begeistert – die Wähler, die Kunden, die Gläubigen. Nur so ist
zu erklären, dass er selbst am Tag seiner seit Jahren fälligen
Suspendierung erklären lässt, er werde Beweise liefern, nichts
„Verbrecherisches“ getan zu haben. Nur so ist zu erklären, dass er
allen Ernstes Ende Februar 2016 nach Ablauf seiner 90-Tage-Sperre
noch seinen eigenen Abgang zelebrieren will.

Allein dieses Ansinnen zeigt, dass es höchste Zeit ist, nicht nur
Blatter zu ersetzen, sondern den gesamten Fußball-Weltverband Fifa
mit all seinen seltsamen Regularien und selbstherrlichen
Fußball-Potentaten zu reformieren. Wie kann es sein, dass der Stimme
kleinster Nationalverbände bei Exekutiventscheidungen dasselbe
Gewicht zukommt wie jener des großen DFB oder des englischen
Verbandes FA? Wie konnte es sein, dass immer wieder dieselben,
bereits durch Korruptionsfälle vorbelasteten Funktionäre in hohen
Posten aufgetaucht sind?

Dass die Fifa-Zentrale auf dem Zürichberg kein rechtsfreier Raum
mehr ist, kann in diesem Zusammenhang somit nur ein Anfang sein. Dass
der ebenfalls suspendierte Uefa-Chef Michel Platini tatsächlich an
seiner Kandidatur als Präsident der durch nichts und niemand
legitimierten Fußball-Weltregierung festhalten will, ist der Aberwitz
des Tages. Der Franzose ist, auch wenn er mit dem Schweizer gebrochen
haben will, ein alter Kompagnon und Zögling Blatters. Dass
ausgerechnet mit ihm das ganze Geschacher und Gemauschel ein Ende
finden könnte, ist unglaubwürdig.

Am Ende wäre es gewiss das Beste, die Fifa in ihrer jetzigen Form
komplett aufzulösen und einen neuen Weltverband zu gründen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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