Schwäbische Zeitung: Erdogan allein zu Haus – Kommentar zum Rücktritt von Davutoglu

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Der Rücktritt von Ahmet Davutoglu ist eine
klare Ansage an all jene, die es wagen, Kritik an Präsident Recep
Tayyip Erdogan zu üben. Der 57-jährige Professor mit den gepflegten
Umgangsformen ist vom selbstherrlich agierenden Staatschef kalt
abserviert worden. Doch damit nicht genug, Davutoglu hielt es auch
noch für geboten, einen tiefen Kniefall zu machen. Es kann einem
Angst und Bange werden um die Türkei unter Erdogan.

Allein Davutoglus Ankündigung, er werde sich vom Vorsitz der
herrschenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP)
zurückziehen, lässt tief blicken. Er werde bis zum letzten Atemzug
loyal zu Erdogan stehen: So sprechen Untergebene in Diktaturen, die
Angst um ihre persönliche Unversehrtheit haben.

Die Kritiker Erdogans, die es auch in der AKP gibt, werden sich
nach dieser Demission fragen, wer denn überhaupt noch dem Autokraten
am Bosporus die Stirn wird bieten können. Wenn ein treuer Diener des
mächtigen Alleinherrschers aufs Abstellgleis geschoben wird, heißt
das, dass Erdogan sich von Feinden umstellt sieht.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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