Schwäbische Zeitung: EU braucht neuen Krisenmodus – Leitartikel zur EU

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Auf Griechenland scheint ein Fluch zu lasten.
Nur mit Mühe und einem milliardenschweren Hilfspaket hat sich das
Land vor-erst aus der Schuldenkrise gerettet. Und jetzt steht den
Griechen in der Flüchtlingskrise erneut das Wasser bis zum Hals. Doch
es ist kein Fluch, der auf Griechenland lastet. Es leidet derzeit
schlicht unter dem neuen Geist in Europa, der den nationalen Egoismen
huldigt und sich wenig um die Gemeinschaft schert. Griechenland steht
dabei am unteren Ende der Fresskette und wird von seinen Nachbarn im
Westen an die Wand gedrückt. Pech sozusagen, wenn man
EU-Zonenrandgebiet und somit laut Dublin-Verordnung für die
Registrierung von Flüchtlingen zuständig ist. Heiliger Sankt Florian,
verschon mein Haus, zünd andre an! – sagt man dazu im Volksmund.

Als sich der Flüchtlingszustrom noch auf Griechenland, Italien und
Spanien konzentrierte, haben ihre Klagen in Brüssel keinen hinter dem
Ofen hervorgelockt. Das Elend in Lampedusa oder in Athen war von den
europäischen Kernländern zu weit entfernt. Erst jetzt, da die
Flüchtlingskrise zu einer gesamteuropäischen geworden ist, wird mit
Druck und Drohungen von Griechenland verlangt, die EU-Außengrenze zur
Türkei besser zu schützen. Doch diejenigen, die sich damit
aufplustern, sollten auch ehrlich sagen, was dann zu erwarten ist:
dass die Flüchtlinge auf gefährlichere Routen ausweichen werden.
Dabei sind bereits die Bilder von der griechisch-mazedonischen Grenze
nicht mehr mit den Werten der EU zu vereinen. Griechenland braucht
schnell Hilfe – etwas anderes zu behaupten, ist Augenwischerei.

Es ist müßig, es zu wiederholen: Aber wenn Europa nicht an der
Flüchtlingskrise zerbrechen will, sollte es einen anderen Krisenmodus
finden. Wenn sich Länder partout der Solidarität verweigern, muss
ihnen klargemacht werden, was die Kehrseite der Medaille ist – es
hängen genügend Haushalte am Tropf der EU. Und auch das gehört dazu:
endlich einzugestehen, dass die sogenannte Dublin-Verordnung, die die
Länder an den Rändern der EU über Gebühr belastet, nicht
praxistauglich ist.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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