Schwäbische Zeitung: Grexit wäre kaum beherrschbar – Leitartikel zu Griechenland und die EU

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Egal, was am Donnerstag im nächsten Akt des
Nervenkriegs um die Euro-Mitgliedschaft von Griechenland entschieden
wird – es tut Europa so oder so nicht gut. Wer jedoch strategisch die
internationale Politik betrachtet, der muss darauf hoffen, dass
Griechenland im Euro bleibt. Für den kann es gar keine Diskussionen
über gebrochene Abmachungen, irreale Ziele oder überhebliches
Machogehabe von überforderten griechischen Politikern geben.

Wer die Außenpolitik oder besser formuliert: die europäische
Innenpolitik im südöstlichen Teil des Kontinents bewertet, der muss
den Euro-Austritt Griechenlands fürchten. Vor wenigen Wochen flammten
die Ängste vor einem Bürgerkrieg in Mazedonien wieder auf. An den
Nato-Grenzen spielen sich Flüchtlingsdramen ab, von einem Sieg über
die Terror-Miliz Islamischer Staat ist der Westen weit entfernt, die
Ukraine-Krise belastet unvermindert die Weltpolitik. In einer solchen
Situation Griechenland fallen zu lassen, verbietet sich jedem
verantwortungsvollen Außenpolitiker. Es wäre eine grobe
Fahrlässigkeit.

Natürlich blieben die Griechen vorerst in der EU, aber die im Zuge
des Euro-Austritts eintretende Entfremdung von Brüssel wäre für
Russland eine höchst willkommene Konsequenz. Die Südflanke der EU wie
der Nato stünde für Moskau offen. Ein Ende der dortigen Instabilität
wäre damit undenkbar. Das als Grexit bezeichnete Aus für den Euro in
Griechenland mag in den theoretischen Abhandlungen von
Wirtschaftswissenschaftlern beherrschbar sein. Sind schon bei deren
Thesen Zweifel erlaubt, die reale Politik indes stünde vor
unvorhersehbaren Ausschlägen.

Maßgebliche Minister der aktuellen griechischen Regierung aus
Linksradikalen und Rechtspopulisten träumen von einer Eskalation. Sie
suchen nach Hilfe und Unterstützung in Moskau. Finanziell werden sie
diese von dort eher nicht bekommen, aber Russlands Präsidenten
Wladimir Putin scheint derzeit fast jedes Mittel recht, den
politischen Machtanspruch und Einflussbereich seines Landes wieder
auszubauen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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