Schwäbische Zeitung: „Keine Alternative für den Südwesten“ – Leitartikel zur AfD

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Noch versucht die AfD im Südwesten ihren Schein
als eurokritische Akademikerpartei zu wahren: Neuer starker Mann im
Südwest-Landesverband ist der nun zum Petry-Vize aufgestiegene
Volkswirtschaftsprofessor Jörg Meuthen. Ein ausgleichender Mann, der
beim Landesparteitag Ende Juli versuchen wird, die tiefen Gräben
zwischen den verfeindeten Flügeln im Südwesten zuzuschütten, um den
Wählern bis zur Landtagswahl in acht Monaten zumindest den Ansatz von
Geschlossenheit zu vermitteln.

Das wird nicht mehr gelingen: Zu viel Glaubwürdigkeit hat die
Partei im Südwesten eingebüßt, zu wenig Substanzielles geliefert.
Nach zahlreichen fruchtlosen Landesparteitagen gibt es kein
Wahlprogramm und keine überzeugenden Köpfe an der Spitze. Mit dem
Parteiaustritt des Tübinger Ökonomen Joachim Starbatty am Sonntag
verliert die Südwest-AfD ihr Aushängeschild, mit dem Austritt von
Bernd Kölmel am Montag ein Dreivierteljahr vor der Wahl zusätzlich
auch ihren Landesvorsitzenden.

Es gibt viele AfDler im Südwesten, die dem EU-Parlamentarier
Kölmel keine Träne nachweinen. Von Anfang an war der Parteichef
intern umstritten, in den letzten Monaten machten seine Feinde massiv
Front gegen den Lucke-Getreuen. Ob Kölmel den Pforzheimer Parteitag
am Monatsende politisch überstanden hätte, ist offen. Mag der Abgang
Kölmels für die AfD sogar eine Chance sein, der von Starbatty ist ein
Fanal: Er verprellt das im Südwesten wichtige konservativ-bürgerliche
Wählerpotenzial, dem die CDU zu modernistisch und die FDP zu
Euro-ergeben ist. Auch Unternehmer und Verbände in Baden-Württemberg
hatten anfangs vorsichtig ihre Fühler zur neuen Partei ausgestreckt.
Nun haben dort jene Kräfte triumphiert, die eine AfD ostdeutschen
Zuschnitts wollen. Wer mit Pegida flirtet und die EU in Gänze infrage
stellt, kann damit die Landtage in Potsdam oder Dresden entern. Eine
Alternative für das exportstarke Baden-Württemberg bietet die Partei
nicht. Auch nicht mit einem Volkswirtschaftsprofessor als
Aushängeschild.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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