Schwäbische Zeitung: Keine Märtyrer schaffen – Kommentar zur AfD

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Die AfD sitzt bald in acht deutschen
Landesparlamenten, hat zweistellige Ergebnisse geholt, ist in
Sachsen-Anhalt zweitstärkste Kraft und stellt Abgeordnete im
Europaparlament. Angesichts dieser Tatsachen von einem
vorübergehenden politischen Phänomen zu sprechen, ist realitätsfern.
Vielmehr müssen sich Bürger und Politiker darauf einstellen, es
dauerhaft mit einer rechtspopulistischen Partei in den Parlamenten zu
tun zu bekommen. Umso wichtiger ist der richtige Umgang mit der AfD.

Hektische, ritualisierte Pfui-Rufe helfen jedenfalls nicht weiter.
Bisher hat die AfD noch aus fast jedem derartigen Angriff Kapital
geschlagen und sich in ihrer Märtyrer-Rolle wohlgefühlt. Diese Rolle
sollte man ihr nicht länger gönnen.

Nun, da sie in immer mehr Landtagen sitzt, muss sie Inhalte auch
jenseits der Flüchtlingskrise liefern – und das könnte ihr zum
Verhängnis werden. Verantwortungsvolle Politik besteht nämlich nicht
aus weinerlichem Lamento und lauthals vorgetragenen, haltlosen
Parolen. Es geht vielmehr darum, das zu verwirklichen, was
mehrheitsfähig ist, auch durch Kompromisse. Ein distanzierter, aber
professioneller Umgang mit den Rechtspopulisten nimmt ihnen den
Märtyrer-Status und bringt sie unter Zugzwang. Ob sie dann liefern
können, ist zweifelhaft.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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