Schwäbische Zeitung: Klare Ansagen – Leitartikel zur CDU in Baden-Württemberg

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Viele haben nach der Wahl vom Sonntag den
Niedergang der Sozialdemokratie beklagt. Dabei ist der Zustand der
CDU im Südwesten mindestens so alarmierend. Denn die Partei droht
sich zu zerlegen, viele Kandidaten sind verbittert, dass sie von
Grünen oder gar von AfDlern um ihre Mandate gebracht wurden. Andere
zeigen verstohlen auf Guido Wolf, wenn sie gefragt werden, ob es an
der Kanzlerin und der Flüchtlingspolitik gelegen habe.

Die Mitglieder der neuen CDU-Fraktion haben Wolf am Dienstag in
seinem Amt als Fraktionschef bestätigt. Obwohl es kritische Stimmen
gab, dass eine solche Wahl zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig
sei, wird vor Beginn der Sondierungsgespräche mit den Grünen knurrend
Einigkeit demonstriert. Während sich viele der 68000 Mitglieder der
größten Volkspartei in Baden-Württemberg fragen, warum ihr
Spitzenkandidat kaum öffentliche Demut zeigt, droht aus dem Blick zu
geraten, dass es um viel mehr gehen könnte als nur um den bitteren
Augenblick.

Als man 2011 von der Macht gedrängt wurde, meinte man noch, die
als Betriebsunfall empfundene Niederlage werde 2016 wieder rückgängig
gemacht. Anstatt sich dann logischerweise um die strategische
Neuausrichtung zu kümmern, um das Programm und um Personal, ergingen
sich viele in Selbstmitleid und die Partei verbrauchte knappe
Ressourcen für eine kräftezehrende Kandidatenkür.

Jetzt geht es darum – salopp gesagt -, den Laden zusammenzuhalten,
mehr engagiertes Personal zu finden und Programmatik zu formulieren.
Am Sonntag wurde die CDU von den Wählern abgestraft. Aber jetzt
könnte sie ohne klare Positionierung weitere Getreue verlieren, wenn
sie innerparteiliche Debatten vermeidet, nicht an Inhalten und einem
ordentlichen Personaltableau arbeitet. Schon streckt die AfD ihre
Fühler nach abgewähltem und frustriertem CDU-Spitzenpersonal aus, um
sich salonfähig zu machen. Das Land braucht aber keine zerrinnende
CDU, sondern eine konservative Partei in der Mitte, die mit kühlem
Kopf und klaren Ansagen geführt wird.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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