Schwäbische Zeitung: Leitartikel: Überwachung wird Lifestyle

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Ein Geheimdienst nutzt Hochtechnologie zur
Überwachung: eine Nachricht, die zwar keine große Überraschung ist.
Doch die neuesten Wikileaks-Enthüllungen über die CIA und ihre
weitreichenden Fähigkeiten zum Ausspähen von Smartphones, Computern
und Fernsehgeräten sind verstörend. Wer argumentiert, er habe nichts
zu verbergen und sei für Geheimdienste uninteressant, macht einen
Fehler. Trotz der Snowden-Enthüllungen gehen Konsumenten viel zu
unbedarft mit digitaler Technologie um. Höchste Zeit, sich mit
Verschlüsselung und Anonymisierung auseinanderzusetzen. Denn
kriminelle Energie gibt es im Netz auch abseits von Geheimdiensten,
die ihre Befugnisse überschreiten.

Dieser Tage wird gern George Orwells „1984“ zitiert, weil das
Überwachungsszenario so erschreckend aktuell wirkt und der
Romanklassiker derzeit wieder die Bestsellerlisten stürmt. Winston
Smith, Orwells Protagonist, hatte keine Wahl – den allsehenden und
mithörenden „Televisor“ hat er sich nicht selbst ins Haus geholt.
Genau das tun wir aber, wenn wir vermeintlich praktische Erfindungen
wie smarte TV-Geräte, Lautsprecherboxen mit eingebautem Mikrofon oder
gar vernetztes Spielzeug in unseren vier Wände nutzen. Wir haben die
Möglichkeiten permanenter Überwachung und digitaler Bespitzelung
unserer Privatsphäre akzeptiert, weil die Geräte dazu als schicke
Lifestyle-Objekte daherkommen und den Alltag bequemer machen. Peter
Schaar, der frühere Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, hat
recht, wenn er sagt, dass wir unser Leben in naiver
Technikbegeisterung immer stärker Systemen anvertrauen, deren
Sicherheit höchst fragwürdig ist.

Die Digitalisierung beginnt erst: autonomes Fahren, das vernetzte
Eigenheim – wer sich diesen Entwicklungen nicht verweigern möchte,
muss sich mit IT-Schutz beschäftigen. Sonst kann er leichte Beute
werden. Unternehmen wie Apple und Google betonen zwar, viele
Sicherheitslücken seien schon gestopft. Der Wettlauf zwischen Hacker
und Cyberabwehr aber geht weiter.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
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