Schwäbische Zeitung: Leitartikel zu Bautzen: Ihr bringt uns nicht aus der Fassung!

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Attacken auf Asylbewerber in Bautzen, brennende
Flüchtlingsheime in Thüringen, wütende Beschimpfungen gegen den
Bundespräsidenten in Sebnitz, Pegida-Gewalt in Dresden. Und dann der
AfD-Triumph in Mecklenburg-Vorpommern: 27 Jahre nach der Wende
verstärkt sich der Eindruck, dass noch nicht bei allen Menschen in
den nicht mehr so neuen Bundesländern Demokratie, Rechtsstaat und
Anstand, die Fundamente unseres Gemeinwesens, angekommen sind.

Der Versuch einer Begründung: Natürlich haben viele Mitbürger im
Osten gute Erinnerungen an die DDR. Ihre Verletzlichkeit angesichts
wachsenden Drucks und des Tempos war und ist beachtlich. Natürlich
gab und gibt es Kränkungen. Natürlich ist es schwer zu akzeptieren,
in einem Unrechtsstaat aufgewachsen zu sein.

Ein selbstkritischer Blick: Vielleicht war die Entwicklung in den
ostdeutschen Bundesländern zu schnell? Der Umgang mit den Menschen zu
unsensibel? Bestärkt nicht die Arroganz vieler Multiplikatoren, auch
der Meinungsmacher, die Populisten? Haben die neuen Rechten, die
Rattenfänger in Deutschland, in Polen, in Ungarn, in Frankreich und
in den USA, so großen Erfolg, weil sie sich als angebliche Rächer
angeblich Enterbter zu profilieren suchen?

Um es den Unzufriedenen im Osten klar zu sagen: Die DDR war 1989
finanziell am Ende. DDR-Bürger lebten im Durchschnitt deutlich kürzer
als Bundesbürger, ihre Böden und die Luft waren vergiftet. Die
Infrastruktur war zerschlissen. Moralisch hatte der Sozialismus
verloren. Die Wiedervereinigung war ein Glücksfall. Heute stehen
viele ostdeutsche Städte besser da als beispielsweise Gelsenkirchen.
Mit der Jammerei im Osten muss daher Schluss sein.

Vier Schritte sind zu gehen: Es ist an der Zeit, die positive
Entwicklung in Ostdeutschland als Erfolg anzuerkennen. Man muss auf
AfD-Wähler zugehen, sie sind nicht verloren. Demokraten müssen
klarmachen, dass sie ihre Werte leben und verteidigen. Und den
Zündlern, Populisten sowie Ewiggestrigen sei zugerufen: Ihr bringt
uns mit Eurer Dummheit nicht aus der Fassung, Ihr nicht!

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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