Schwäbische Zeitung: Leitartikel zu Glyphosat im Bier: Dieser „Skandal“ ist politisch motiviert

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Ein Institut findet in Bier Spuren des
umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat, und der Skandal scheint
perfekt. Doch es ist gar keiner. Die Belastungen liegen zwar über den
Grenzwerten für Trinkwasser, doch noch um das etwa 1000-Fache
unterhalb der Schwelle zur Gesundheitsschädigung. Die Erkenntnis legt
nahe: Es geht eher um Glyphosat generell als um Bier.

Der Wirkstoff, der in vielen Pflanzenschutzmitteln enthalten ist,
steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Bewiesen ist das aber
nicht. Nur begrenzte Hinweise sieht das Bundesinstitut für
Risikobewertung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
urteilt: „Wahrscheinlich nicht krebserregend.“ In einer Welt, in der
Milliarden Menschen mit landwirtschaftlichen Produkten auch aus
Massenproduktion versorgt werden müssen, sind Ertrag sichernde
Herbizide notwendig. Und Glyphosat gilt nun mal als einer der
Wirkstoffe, die noch verhältnismäßig verträglich sind für Mensch,
Tier und Umwelt.

Dass die Studie ausgerechnet in einer Zeit veröffentlicht wird, in
der die erneute Zulassung von Glyphosat durch die EU ansteht, dürfte
kein Zufall sein. Das Münchner Umweltinstitut setzt sich „gegen
Atomkraft, für gentechnikfreies Essen und für den Ökolandbau“ ein.
Das klingt nicht so unabhängig, wie die Münchner sich selbst
beschreiben. Vielmehr ist zu vermuten, dass auch politische Gründe
hinter der Studie stecken.

Freilich sind auch Saatgutfirmen wie Monsanto, die Glyphosat
vermarkten, in erster Linie auf ihren Erfolg bedacht und nicht auf
Mildtätigkeit. Freilich darf man auch ihnen nicht blindlings Glauben
schenken. Doch ganz unabhängig davon ist es schlichtweg unredlich,
dass das Umweltinstitut mit den Brauern völlig willkürlich eine
Branche in ein schlechtes Licht rückt, die allenfalls indirekt etwas
mit dem eigentlichen Thema zu tun hat.

Bei all der Aufregung beruhigt eines aber doch: Die 1000 Maß Bier,
die ein Erwachsener am Tag trinken müsste, um eine
gesundheitsschädliche Menge Glyphosat zu sich zu nehmen, würde nicht
einmal der trinkfesteste Ur-Bayer schaffen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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