Schwäbische Zeitung: Leitartikel zu Seehofer/Söder: Horst, der Libero

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Er könne nicht dauerhaft den Libero für die CSU
machen, hat Horst Seehofer an diesem Wochenende wissen lassen. Der
Libero, das ist in Bayern gestern, heute und vermutlich auch morgen
noch Franz Beckenbauer. Die Lichtgestalt. Derjenige, der es richtet.
Mit Können und Geschick. Mit Glück und Frechheit. Abgesehen davon,
dass das Ansehen und die Erfolgsbilanzen Beckenbauers in den
vergangenen Jahren durchaus gelitten haben: Horst Seehofer hat ganz
offenbar ein ziemlich klar umrissenes Bild von seiner herausgehobenen
Position innerhalb der CSU. Er plant darüber hinaus wohl kaum, sie so
schnell aufzugeben. Und sein Angebot ist in Wahrheit nicht halb so
gönnerhaft, wie es sich zunächst anhört.

Denn zu seiner eigenen Zukunft, zu seinen Plänen und Präferenzen
hat Horst Seehofer in dem Interview mit der „Bild am Sonntag“ gar
nichts gesagt. Er hält sich alle Optionen offen und macht seinem
ungeliebten Finanzminister Markus Söder gleichzeitig das Leben
ziemlich schwer. Denn Söder – in Personalunion auch bayerischer
Heimatminister – will auf gar keinen Fall nach Berlin und sieht nach
Seehofers Vorstoß seine Spielräume und seine Verhandlungsposition in
der unvermeidlich anlaufenden Personaldebatte erheblich beschränkt.
Seehofer dagegen hat sich durch seine Positionierung als Gegenspieler
der Kanzlerin in der Flüchtlingspolitik längst wieder als
potenzieller Bundespolitiker in Stellung gebracht. Der Parteichef
sendet ein klares Signal an Söder und Co.: Ich kann beides – München,
aber eben auch Berlin.

Dass Seehofer sich mit seiner Idee der Ämtertrennung in erster
Linie selbst widerspricht, wird ausgerechnet ihn, den sie „Drehhofer“
nennen, kaum stören. Für ihn zählt vor allem, dass er den Druck auf
Söder und dessen Anhänger mit dem Interview massiv erhöhen konnte.

Um die Fußball-Metapher nochmal aufzugreifen: Seehofer liegt in
Führung. Doch mit seiner provokanten Spielweise hat er die Zahl
derjenigen weiter erhöht, die nur darauf warten, den Libero vom Platz
grätschen zu können.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
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