Schwäbische Zeitung: Leitartikel zur Terrorwarnung in München: Neue Maßstäbe

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Zwei Drittel der Deutschen rechnen nach einer
Meinungsumfrage mit einem terroristischen Anschlag in ihrem Land.
Dass dieser am Silvesterabend in München hätte stattfinden können,
dafür scheint es eine Menge Hinweise gegeben zu haben, auch ernst zu
nehmende Warnungen anderer, westlicher Geheimdienste. Dass es ruhig
blieb in München und keine Opfer an jenem Hauptbahnhof gab, an dem im
vergangenen Sommer Zehntausende Flüchtlinge begrüßt wurden, ist ein
großes Glück.

Wenn der Umgang der Münchner Polizei und der zuständigen
Ministerien ein Indiz dafür sein kann, wie man in Deutschland mit der
wachsenden Bedrohung lebt, dann sind dieses Land und seine Menschen
gut gerüstet. Denn Umsicht und Unaufgeregtheit waren wohl das
Wichtigste bei der Sperrung des Hauptbahnhofs und bei der Umleitung
feiernder Silvester-Partygänger. Vor allem aber zeigte sich das bei
der Unterrichtung der Bevölkerung.

Normalerweise verfallen viele Behörden, Ministerien und
Dienststellen in Bund und Ländern nachts, an Wochenenden und
Feiertagen in einen digitalen Winterschlaf. Sie sind bestenfalls über
einen Pressesprecher erreichbar, wenn der denn sein Handy nicht
abgestellt hat. Die Münchner Polizei hat an Silvester und an Neujahr
gezeigt, wie man es anders machen kann: Stündlich, manchmal im
Minutentakt, wurden Tweets abgesetzt, Facebook-Einträge geschrieben
und online über den Stand der Lage informiert, meist gleich in
mehreren Sprachen. Die Polizei redete die Menschen in den sozialen
Medien direkt mit „Ihr“ an, bedankte sich bei den Bürgern und schuf
so, nach allem, was aus München zu hören ist, ein großes Verständnis
und Gemeinschaftsgefühl.

Dies wird, so ist zu befürchten, nicht der letzte Terroralarm
gewesen sein. Dass Deutschland ein mögliches Ziel ist, liegt umso
mehr auf der Hand, seit Berlin sich an Luftschlägen gegen den
Islamischen Staat unterstützend beteiligt. Aber die Art, wie in
München mit der Bedrohung umgegangen wurde, hat Maßstäbe gesetzt.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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