Schwäbische Zeitung: Marx weiß den Papst hinter sich – Leitartikel zu Kirchen und Flüchtlinge

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Klar und deutlich wie selten äußern sich die
katholischen Bischöfe zur Flüchtlingsfrage: Keine Obergrenze, weder
beim Asylrecht noch bei der Barmherzigkeit, fordert der Münchner
Kardinal Reinhard Marx. Die Kirche mischt sich hier wie auch bei der
Ablehnung der AfD frühzeitig, schnell und eindeutig ein: Sie hat aus
früheren Versäumnissen gelernt.

Wenn Marx gleichzeitig von Vernunft spricht und darauf hinweist,
Politik müsse immer das Mögliche im Blick haben, warnt er vor der
Überforderung der Gesellschaft. Die Kirche will Asyl nur für wirklich
Verfolgte, klare Regelungen gegen den Missbrauch und vor allem
Gerechtigkeit, damit Menschen nicht aus ihren Heimatländern fliehen.
Nächstenliebe meint nie unbegrenztes Vollkasko für alle. „Liebe
Deinen Nächsten wie Dich selbst“, heißt es. Der zweite, oft
vergessene Halbsatz betont: Wer andere liebt und helfen will, darf
sich selbst nicht vergessen, muss an sich denken.

Mit diesem Kurs steckt Marx eine Woche vor Beginn der
Vollversammlung der Bischofskonferenz, die sich mit Flüchtlingsfragen
intensiv beschäftigen wird, den Kurs für die deutsche katholische
Kirche klar ab. Er schart zunächst seine Kollegen hinter sich. Dass
ein großer Teil auch der Katholiken durchaus mit Obergrenzen
sympathisiert und damit den Bischöfen nicht mehr folgen will, nehmen
die Oberhirten zur Kenntnis. Sie kennen Konflikte, bei denen sich
Basis und Leitungsamt entfernt haben, zur Genüge. Doch gerade in der
Flüchtlingsfrage haben die Bischöfe einen mächtigen Verbündeten: den
Papst. Franziskus hat selbst auf Lampedusa geweint.

Die klare Positionierung gegen die AfD, die nicht wählbar sei, ist
ein weiteres Novum. Wahlempfehlungen gab es letztmalig in den
1970er-Jahren. Dass nun katholische Bischöfe warnen, setzt sie
wohltuend von den zögerlichen evangelischen Kollegen ab und spricht
dafür, dass sie Lehren aus der Geschichte ziehen: Zu Recht wurde die
Amtskirche für ihre Haltung kritisiert, die sich dem Aufstieg der
Nazis nicht entschieden widersetzt habe.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
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Telefon: 0751/2955 1500
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