Schwäbische Zeitung: „Nicht der letzte Versuch“ – Leitartikel zu Schäuble und weiteren Hilfspaketen für Griechenland

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Es bröckelt. Ein drittes Hilfspaket für
Griechenland wird noch weniger Zustimmung erhalten als das zweite,
und das ist verständlich. Wie sollte auch die Hoffnung auf ein gutes
Ende wachsen, wenn Wolfgang Schäuble sich für eine Lösung stark
machen muss, die er selbst nur für die zweitbeste hält? Wenn
Griechenlands Ministerpräsident Tsipras zwar zustimmt, aber am Erfolg
jetzt schon zweifelt?

Ausgerechnet die Linken sind gegen weitere Griechenland-Hilfen,
weil sie angeblich nur den Banken hilft. Doch wie, wenn nicht über
Banken die Griechen ihr Geld bekommen sollen, ist nicht klar. Der
Vorwurf, Deutschland wolle Griechenland demütigen, ist zu abwegig, um
überhaupt ernst genommen zu werden. Deutschland haftet wie kein
anderes Land. Und ein Ende der Hilfe ist nicht in Sicht.

Vor diesem Hintergrund muss die Kanzlerin ernsthaft um ihren
Rückhalt in der Fraktion fürchten. Wolfgang Schäuble gilt der
Unionsfraktion zwar als Garant, dass die Verhandlungen vernünftig
geführt werden, doch auch das ändert nichts daran, dass der deutsche
Steuerzahler mehr und mehr in Haftung genommen wird.

Es ist aber nicht nur ein politischer Preis, der da für Frieden
und Freiheit in Europa entrichtet wird. Es ist – gerade aus deutscher
Sicht – auch ein Preis für weiteren wirtschaftlichen Erfolg in der
Eurozone. Es ist nicht falsch, diesen Preis zu bezahlen. Aber es ist
falsch, dies nicht laut zu sagen, zumal sich viele Deutsche noch gut
an die Deutsche Einheit erinnern, die angeblich auch nichts kosten
sollte.

Noch falscher wäre es, nicht genau darauf zu achten, dass
Griechenland jetzt Strukturen schafft, seine eigenen Steuerzahler
endlich mit heranzuziehen und das Rentensystem zu reformieren. Nicht
der gute Wille, sondern konkrete Schritte Griechenlands werden in den
nächsten Wochen entscheidend sein. Denn die deutschen Abgeordneten
müssen ihren Wählern zu Hause Rede und Antwort stehen, wohin ihr Geld
geht, warum die Hilfe richtig ist und ob Hoffnung auf Besserung
besteht.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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