Schwäbische Zeitung: „Option Bodentruppen“ – Leitartikel zur Beendigung des Krieges in Syrien

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Ein nüchterner Blick zurück macht deutlich: Der
Westen hat sich so lange wie möglich in Syrien herausgehalten. Auf
den Einsatz der berüchtigten Fassbomben oder anderer Gemetzel folgten
diplomatische Einsprüche voller Zorn, die unfreiwillig politische
Ohnmacht bewiesen. Ein militärisches Eingreifen war verpönt, die
schlechten Erfahrungen aus Afghanistan oder nach zwei Irak-Kriegen
ließen kaum einen anderen Schluss zu. Doch das Nichtstun hatte
Folgen.

Heute gibt es Millionen Vertriebene und Flüchtlinge, die
mehrheitlich in Lagern rund um Syrien ausharren, aber eben auch nach
Europa und Deutschland wollen. In der heutigen Situation hilft kein
Moralisieren, jetzt sollte klar und kühl analysiert werden, wie ein
Ende des fürchterlichen Krieges in Syrien erreicht werden kann, damit
auf längere Sicht Syrer wieder eine Zukunft in ihrem Land sehen
können.

So sehr es viele schmerzen mag, zwei nicht besonders beliebte
Akteure in diesem Konflikt müssen deshalb an den Verhandlungstisch,
weil ohne sie eine Lösung eben nicht möglich ist: zum einen Russland
und zum anderen Iran. Dank des Atomabkommens des Westens mit Iran
bricht die internationale Isolation Teherans Stück für Stück auf.
Iran stützt die Diktatoren-Familie Assad seit Jahrzehnten, scheint
aber in jüngster Zeit etwas Abstand von ihm zu nehmen.

Noch wichtiger für Assads Zukunft ist Russland. Die Veto-Macht im
UN-Sicherheitsrat steht weiter hinter ihm, stützt nach Jahren des
Bürgerkrieges aktiv die dezimierte Regierungsarmee. Der Westen will
das Blutvergießen beenden, auch Russland tritt dafür ein. Putin will
das mit Assad erreichen, der Westen ohne ihn. Der Schlüssel zum
Erfolg könnte eine Übergangsregierung sein. Es gibt Anzeichen, dass
sowohl Moskau wie Teheran einen solchen Schritt mittragen könnten.
Doch um überhaupt dafür den notwendigen politischen Druck ausüben zu
können, müsste der Westen Glaubwürdigkeit und Abschreckungskraft
demonstrieren. Drohnen reichen nicht, es braucht Bodentruppen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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