Schwäbische Zeitung: „Rassistische Verbrecher“ – Leitartikel zum Rassismus gegenüber Flüchtlingen

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Klare Worte hat er gefunden, der
Bundespräsident. „Widerwärtig“ nennt er die Angriffe auf
Flüchtlingsheime, „unerträglich“ die dahinter stehende Gesinnung. Man
kann es noch deutlicher formulieren: Da sind rassistische Verbrecher
am Werk, getrieben von einer verbrecherischen Geisteshaltung. Und es
verbietet sich jedes relativierende „Aber“. Dasselbe gilt für die
anonymen Hetzer in den sozialen Netzwerken, deren Diktion an die
dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte erinnert.

Noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat es vor den Toren
Europas eine Flüchtlingskatastrophe wie diese gegeben. Allein mehr
als vier Millionen Syrer suchen Schutz im Ausland, die allermeisten
in den direkten Nachbarländern. Unzählige Kinder vegetieren in
Flüchtlingslagern vor sich hin, und ein Ende des Elends ist nicht
abzusehen. Und Deutschland? Deutschland ist eines der reichsten
Länder dieser Erde, mit Menschen, denen es überwiegend gut geht, und
die eigentlich allen Grund haben, dankbar zu sein für ein sehr
gnädiges Schicksal. Dass aus dieser Gesellschaft heraus saturierte
rassistische Verbrecher ihr Unwesen treiben, ist schändlich.

Noch ist das glücklicherweise eine verschwindende Minderheit. Aber
die anständige Mehrheit muss sehr darauf achten, dass sie sich nicht
anstecken lässt von den Unanständigen. Ja, es gibt Probleme, große
Probleme, hier wie in allen anderen EU-Ländern. Die Verteilung der
Flüchtlinge, ihre Unterbringung und Versorgung, ihre Betreuung, die
Integration in den Arbeitsmarkt, Spannungen in den Notunterkünften,
Fälle von Kriminalität: Politik und Gesellschaft müssen diese
Herausforderungen annehmen. Unzumutbar sind sie nicht.

Klar ist, dass nicht alle dauerhaft werden bleiben können, die es
in den reichen Teil Europas geschafft haben. Man wird Menschen wieder
in ihre Heimatländer abschieben müssen, wenn ihr Asylverfahren
negativ beschieden oder der Asylgrund entfallen ist. Aber so lange
sie hier sind, haben auch sie ein Recht auf menschenwürdige
Behandlung.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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