Schwäbische Zeitung: Römische Zumutungen – Leitartikel zu Papst Franziskus und seine Ökolgie-Enzyklika

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Roma locuta, causa finita – Rom hat gesprochen,
die Angelegenheit ist damit entschieden. In der innerkatholischen
Hierarchie hat ein Papst tatsächlich die Befugnis, Machtworte zu
sprechen, außerhalb aber verpufft die sprichwörtliche Machtfülle des
Oberhaupts der Katholiken schnell. Wie lässt es sich dann erklären,
dass die Ökologie-Enzyklika von Papst Franziskus weltweit als
mächtiges Wort wahrgenommen wird? Weshalb haben Lobbyisten jeglicher
Couleur – von Ölkonzernen bis Umweltaktivisten – versucht, vorab
Einfluss zu nehmen auf den Text des Lehrschreibens „Laudato si“? Das
hat mit dem Amt des Papstes zu tun, aber auch mit der Person, die
dieses Amt derzeit bekleidet.

Eigenartigerweise scheint mit zunehmender Säkularisierung der
Bischof von Rom an globaler Autorität zu gewinnen. Die Sehnsucht nach
einer unbestechlichen, glaubwürdigen, über jeder Tagespolitik und
jedem nationalen Interesse stehenden Vaterfigur scheint in dem Maße
größer zu werden, in dem die Welt insgesamt verwirrender wird. Auf
den alten Mann in Rom in seinem weißen Gewand wird diese Sehnsucht
projiziert – und zwar beileibe nicht nur von Katholiken. Der
Vorgänger von Franziskus, der Gelehrtenpapst Benedikt XVI., hätte
diese Enzyklika wahrscheinlich ähnlich oder gar identisch formuliert.
Aber: Er wäre nicht so gehört worden wie sein Nachfolger. Und man
hätte ihm die Passagen in der Enzyklika zur Gender-Ideologie sofort
verübelt.

Dem Jesuiten aus Argentinien, der sich franziskanischer Tradition
verpflichtet sieht, lässt man das großzügig durchgehen. Nein – man
überhört und überliest es einfach. Dabei ist es gerade sein
ganzheitliches Verständnis von Ökologie, das Franziskus und sein
Lehrschreiben auszeichnet. Und: Er benennt die Probleme, die für ihn
aus menschlichen Sünden resultieren, sehr konkret. Ebenso eindeutig
sind seine Mahnungen und Forderungen. In den reichen, saturierten
Teilen der Erde kommen sie als Zumutungen an. Aber Verantwortung geht
fast immer mit Zumutung einher.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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