Schwäbische Zeitung: „Russische Störmanöver“ – Kommentar zu russischen Hooligan-Krawallen

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Eigentlich ist ein Hooligan nur ein dumpfer
Schläger. Es sei denn, er kommt zur Fußball-Europameisterschaft nach
Frankreich, richtet größtmöglichen Schaden an und erhält dafür aus
seiner Hauptstadt eine Menge Applaus. Noch streiten russische
Kommentatoren, ob die russischen Hooligans in Frankreich nun einen
direkten Draht in den Kreml haben oder nur Vertreter der kleinen
Neonazi-Szene sind.

Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Denn die
allermeisten offiziellen Reaktionen aus Moskau lassen ahnen, dass die
Aufmerksamkeit, die die russischen Gewalttäter auf sich ziehen, den
Kreml-Strategen gut in den Kram passt. Hooligans also als Teil einer
hybriden Kriegsführung Russlands gegen westliche Gesellschaften?
Warum nicht – denn die Taktik der Desinformation, der Verunsicherung
und des Vertrauensverlustes in die Institutionen bürgerlicher
Gesellschaften fügt sich nahtlos in die Sorge der Fans, die den
Gewaltexzessen der Hooligans – und dem Terror der Islamisten –
ausweichen und darum dem Fußballfest fernbleiben. All das fördert den
Verdruss mit „der Politik“ oder „den Sicherheitskräften“.

Dass der stellvertretende russische Parlamentschef den
Randalierern gratulieren kann, ohne dafür von der Staatsführung
zurückgepfiffen zu werden, ist ein weiteres Indiz dafür, dass Moskau
sich weniger um den Fußball schert als um seine strategischen Ziele.
Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow beteiligt sich: Als
„absolut inakzeptabel“ bezeichnete er, dass ein Bus mit russischen
Fans in Frankreich durchsucht worden sei. Lawrow geht es nicht darum,
gemeinsam mit den Franzosen gegen die Schläger vorzugehen und für
Frieden zu sorgen.

Russische Störmanöver dürften in den nächsten Wochen zunehmen:
Nach der Niederlage gegen die Slowakei droht das fußballerische Aus.
Die FIFA wird sich fragen, ob in zwei Jahren eine WM in einem Land
stattfinden kann, das Hooligans applaudiert. Und bereits am Freitag
entscheidet das IOC, ob Russland nach einem Dopingskandal an den
Olympischen Spielen teilnehmen darf.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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