Schwäbische Zeitung: „Selbstgerecht statt selbstlos“ – Kommentar zur „Wir Helfen“-Aktion der Bild

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Den Flüchtlingen wird in Deutschland durch
viele Initiativen geholfen. Gut so. Aber nicht jede Aktion verdient
das Prädikat selbstlos. Darunter fällt die „Wir Helfen“-Aktion der
„Bild“-Zeitung, an der sich auch Vereine der Fußballbundesliga
beteiligen. Der FC St. Pauli aber verweigert sich. Und muss dafür vom
„Bild“-Chefredakteur lesen: „Kein Herz für Flüchtlinge. St. Pauli
boykottiert WIR HELFEN.“ Wer also bei „Bild“ nicht mitmacht, habe
kein Mitgefühl für Flüchtlinge.

Die Reaktion passt zum Gesamteindruck, denn „Bild“ geriert sich
seit Wochen als Spitze der Flüchtlingshilfe, mit dem Subtext, nicht
Deutschland rettet die Bedürftigen, sondern Deutschlands größte
Boulevardzeitung. Das ist nicht selbstlos, sondern selbstgerecht. Und
perfide, nimmt das Blatt doch die Flüchtlinge als Vehikel, um Werbung
in eigener Sache zu machen. Bezeichnenderweise ist das „Wir
helfen“-Logo auch mit dem „Bild“-Logo versehen.

Ein Unternehmen wie Mercedes Benz nutzt diese Werbeplattform
gerne, Konzernchef Zetsche lässt sich auf Seite 1 der „Bild“
ablichten, mit der Botschaft Mercedes spendet eine Millionen Euro für
„Wir helfen“. Bei Parteispenden agiert der Konzern deutlich
defensiver. Die Fußballvereine dagegen machen mit, weil „Bild“ hier
große Macht besitzt; Trainer, Spieler und Funktionäre attackieren
kann. Trotzdem folgen seit gestern immer mehr Vereine dem Beispiel
St.Pauli. Gut so.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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