Schwäbische Zeitung: Überragender Sieg für Kretschmann – Leitartikel zur Wahl in Baden-Württemberg

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Es hat sich angedeutet, aber noch vor wenigen
Wochen hatte niemand – außer ein paar grünen Überzeugungstätern – es
für möglich gehalten, dass die Grünen stärkste Partei in
Baden-Württemberg werden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat
einen überragenden Wahlerfolg im Stammland der Union eingefahren. Es
ist sein Sieg. Kretschmann ist die unumstrittene Nummer Eins im
Südwesten und hat seine Partei, die bei den zwei anderen
Landtagswahlen schwächelt, tatsächlich zu einer Volkspartei gemacht.
Die Grünen sind dank Kretschmann tief in das Wählerreservoir der
Christdemokraten eingedrungen.

Dieser Durchbruch 2016 ist eine weit größere Sensation als der
bemerkenswerte Fukushima/Anti-Mappus-Triumph von 2011. Die ohnehin
argumentativ schwache aber lange gepflegte These der CDU, die
Wahlniederlage von 2011 sei ein Unfall gewesen, ist eindrucksvoll
widerlegt. Am Überlandesvater Kretschmann vorbei eine Koalition
schmieden zu wollen, ist zwar aufgrund der nackten Zahlen möglich,
würde jedoch den Wählerwillen arrogant ignorieren. Das weiß auch die
SPD, die ein Fiasko verarbeiten muss. Die jetzt erlebte Ablehnung
durch die Bürger ist kein Rüffel, es ist ein historischer
Zusammenbruch. Nur der Macht willen mit Union und FDP zu verhandeln,
wäre die Garantie für den Abschied von der politischen Bühne. Es wäre
eine Koalition der Verlierer, politisch nicht erklärbar und
abgerundet durch eine erstarkte FDP.

Ähnlich wie die CDU muss sich die SPD neu erfinden, nur muss sie
das in der Opposition tun, während sich die Christdemokraten mit den
Grünen an den Kabinettstisch setzen sollten. Grün-Schwarz ist die
eindeutige Konsequenz dieses Resultats. Vor allem für die CDU-Basis
ist die Position des Juniorpartners schwer verdaulich. Aber mit den
Rechtspopulisten der AfD die Oppositionsbänke zu teilen, sollte
Motivation genug sein, in konstruktive und verantwortungsvolle
Koalitionsverhandlungen einzutreten. Perspektivisch hätte ein solches
Bündnis Anziehungskraft. Nicht nur für Stuttgart, sondern auch für
Berlin, dann allerdings in der Reihenfolge Schwarz-Grün.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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