Schwäbische Zeitung: „Wie im Brennglas“ – Kommentar zu Merkel und das weinende Flüchtlingsmädchen

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Die Bundeskanzlerin steht nicht im Verdacht,
übermäßig sentimental zu sein. Emotionale Reaktionen sind ihre Sache
nicht. Angela Merkels Stärke ist das Kühl-Abwägende, das Analytische,
das Rationale. Es war für sie deshalb nicht nur eine überraschende,
sondern mutmaßlich auch eine schwierige Situation, als dieses
Flüchtlingskind plötzlich vor ihr in Tränen ausgebrochen ist.

Und dann hat sie doch Mitgefühl mit dem Mädchen gezeigt, das Angst
vor der Zukunft hat, weil die Zukunft weitgehend unplanbar ist. Aber
nicht die Kanzlerin hat die 16-Jährige gestreichelt und zu trösten
versucht, sondern der Mensch Angela Merkel. Die Kanzlerin dagegen ist
– wenn man so will – beinhart geblieben. Sie hat keine Versprechungen
gemacht, sondern auf die Rechtslage verwiesen sowie auf die Tatsache,
dass Deutschland nicht alle Menschen aus den Flüchtlingslagern
aufnehmen könne. Man kann das als herzlos empfinden. Aber dann muss
die Gegenfrage erlaubt sein: Darf sich die deutsche Regierungschefin
in einem Akt spontaner Mitmenschlichkeit über Recht und Gesetz
hinwegsetzen? Nein. Die Szene hat wie in einem Brennglas das Dilemma
nicht nur der deutschen Flüchtlingspolitik aufgezeigt.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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