Schwäbische Zeitung: Zerrissenes Land – Kommentar zu Brasilien

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Knapp vier Monate vor den Olympischen Spielen
erschüttert Brasilien die schwerste politische Krise seit Rückkehr
der Demokratie im Jahr 1985. Präsidentin Dilma Rousseff wird sich
nicht halten können. Die linke Staatschefin war ihren Gegnern schon
immer ein Dorn im Auge. Sie hat nicht das Charisma ihres Vorgängers
und Mentors Lula. Der Technokratin wurde ein Korruptionsnetz zum
Verhängnis, das maßgeblich ihrer Arbeiterpartei nutzte. Das
Absetzungsverfahren wird jedoch von zwielichtigen Gestalten getragen,
die seit Jahrzehnten vom Filz persönlich profitieren. So etwa der
Präsident der Abgeordnetenkammer, Eduardo Cunha, der bis heute nicht
erklären kann, wie Millionensummen auf sein Konto in der Schweiz
gelangen konnten. Vordergründig geht es in dem Riesenstaat um die
Bekämpfung von Vetternwirtschaft, hintergründig wittern diejenigen
Morgenluft, die für Sozialprogramme und Bekämpfung der Armut nichts
übrig haben.

Brasilien ist tief gespalten, zwischen Arm und Reich, zwischen
Nord und Süd. Mit weit mehr als tausend deutschen Unternehmen gilt
São Paulo als weltweit größte deutsche Industriestadt, während in
einigen Regionen nördlich des Äquators Menschen hungern. In einem
solch zerrissenen Land hat es die Demokratie schwer.

Ein Tiefpunkt der politischen Kultur war das Verhalten eines
rechtsextremen Abgeordneten aus Rio. Er widmete seine Ablehnung der
Präsidentin einem Oberst aus Diktaturzeiten, dessen Einheit die
damalige Widerständlerin Dilma Rousseff brutal folterte. Brasilien
fällt gerade um Jahre zurück.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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