Schwäbische Zeitung: Bayern braucht einen neuen Boss – Leitartikel

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Die Gesetzmäßigkeiten des Sports sind nicht
zwingend vergleichbar mit denen des Politikbetriebs oder der
deutschen Wirtschaft. Dennoch erscheint das Vorgehen vom FC Bayern
München ziemlich kühn. Auf der Pressekonferenz keine Fragen nach Uli
Hoeneß und dessen Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs zuzulassen, mag
vor einem Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona halbwegs
funktionieren – auf Dauer wird dies aber auch der Rekordmeister nicht
durchhalten. Die Fallhöhe ist für den Präsidenten des FC Bayern
einfach zu hoch. Neid und Missgunst auf der einen, echtes Entsetzen
und Betroffenheit auf der anderen Seite führen zu einer Gemengelage
in Wahlkampfzeiten, die mittel- und langfristig gar nicht zu
kontrollieren ist. Die Politik distanziert sich bereits von dem
Manager, der eine Erfolgsgeschichte im deutschen Fußball ohnegleichen
geschrieben hat. Viele – gleich welcher Partei – sonnten sich im
Glanz des Erfolgs von Hoeneß, heute ziehen diese eine vornehme Blässe
vor.

Zuletzt haben ein Bundesverteidigungsminister, ein
Bundespräsident, eine Forschungsministerin versucht, einer Welle der
öffentlichen Empörung standzuhalten. Sie haben es nicht geschafft.
Die These mag nicht besonders originell sein: Aber auch Uli Hoeneß
wird sich diesem Prinzip nicht widersetzen können. Demnächst wird
der FC Bayern deshalb einen neuen Präsidenten brauchen. Ansonsten
wird der Verein, für den die meisten deutschen Fußballfans schwärmen,
großen Schaden nehmen. Ein möglicher Sieg über Lionel Messis FC
Barcelona könnte 90 Minuten ablenken, dann war es das aber auch.

Der oft beschriebene und bejubelte Vorbildcharakter Uli Hoeneß–
oder seine Leitfunktion für soziales Verhalten ist seit der ersten
Meldung am Wochenende über mögliche Steuerhinterziehung dahin. Wie
soll Kindern vermittelt werden, dass sie einen Mannschaftssport
betreiben, bei dem jeder für den anderen einstehen muss, wenn es
Vereinsbosse gibt, für die Gesetze offenbar nicht eine zwingende
Allgemeingültigkeit haben?

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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