Schwäbische Zeitung: Gesundheitsstudie: Kein Grund zur Entwarnung – Leitarteikel

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Wie gesund oder wie krank ist Deutschland nun
wirklich? Optimisten werden sich auf die positiven Aussagen der neuen
Gesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts stürzen. Demnach fühlt
sich die Mehrheit gesund, Erwachsene treiben mehr Sport, und auch die
Hälfte der über 70-Jährigen bewertet ihre Gesundheit durchaus
positiv.

Nur eine Minderheit von ihnen muss aus gesundheitlichen Gründen
Einschränkungen im Alltag hinnehmen, so die Erhebung. Wie diese
Einzelschicksale allerdings aussehen, darüber schweigt die Statistik.

So lohnt sich ein genauerer Blick auf die dreijährige Erhebung,
und dann wird deutlich: Diese Daten geben keinen Grund zur
Entwarnung. Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zur
Todesursache Nummer eins, die Blutfettwerte sind bei vielen
Bundesbürgern zu hoch, es gibt immer mehr Fettleibige, mehr als jeder
Zehnte leidet unter Dauerstress und der Anstieg der Diabetiker um 38
Prozent in zehn Jahren ist schlichtweg bedenklich.

Die Zunahme verschiedener Krankheiten ist auch der demografischen
Entwicklung geschuldet, denn die Menschen werden immer älter. Dennoch
muss aus der Studie eine Erkenntnis gezogen werden: Noch mehr
Aufklärung und Prävention ist wichtig, wobei es nicht mit dem Gang
zum Arzt getan ist.

Jeder ist für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Dabei gilt
es, die Warnsignale des Körpers zu erkennen und zu deuten. Dazu
bedarf es natürlich eines geschulten Gesundheitsbewusstseins, das
aber offensichtlich an Bildung und Einkommen gekoppelt ist.

Denn das hat die Erhebung wieder bestätigt: Arme schätzen nicht
nur subjektiv ihren Gesundheitszustand schlechter ein, sie sind
tatsächlich häufiger krank als Besserverdiener. Sie leiden zum
Beispiel öfter an Diabetes, aber auch an Depressionen. Die Ursachen
dafür sind sicher vielschichtig, doch die Zielrichtung der
Gesundheitspolitik muss eindeutig sein: Diese Menschen brauchen
massive Unterstützung, bevor sie krank werden. Denn Vorbeugen ist
allemal billiger als Therapieren.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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