Schwäbische Zeitung: Lachen lernen – Leitartikel

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Ein Kabarettist bekommt Ärger, weil sich jemand
auf den Schlips getreten fühlt. Das ist nichts Besonderes. Im
Gegenteil. Wäre dem nicht so, hätte er was falsch gemacht. Dieter
Nuhr hat nichts falsch gemacht. Er kritisiert islamische Fanatiker,
die ihre Ansicht von der Welt mit Bomben durchsetzen wollen. Und er
macht das mit dem Mittel der Satire. Was ist daran falsch? Gar
nichts.

Die Mächtigen mit Humor zu kritisieren, ist eine Errungenschaft
der Aufklärung. Sie hat mit Religionskritik begonnen. Ob Lessing oder
Voltaire – sie klagten die Freiheit der Gedanken und das Recht auf
das freie Wort ein – wider eine Macht, die die alleinige
Deutungshoheit für sich in Anspruch nahm. Auf diesem Fundament sind
freie Gesellschaften entstanden. Das ist ein Wert, den es zu
verteidigen gilt.

Es ist eine kulturelle Leistung, über sich selbst lachen zu
können. Institutionen wie die katholische Kirche haben längst
gelernt, mit frechen Angriffen umzugehen. Von strenggläubigen
Muslimen kann man das nicht sagen. Sie verstehen keinen Spaß. Wer
etwas schreibt, was den selbst ernannten Lordsiegelbewahrern des
reinen Islam nicht passt, wird bedroht – mit dem Tod. Stichwort
Salman Rushdie oder Kurt Westergaard, der in der dänischen Zeitung
„Jyllands Posten“ Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat.

So weit gehen die Demonstranten gegen Dieter Nuhr in Osnabrück
nicht. Erhat Toka hat Strafanzeige wegen Verunglimpfung des Islam
gestellt. Das ist sein gutes Recht. Wie es das gute Recht eines
Künstlers ist, sich lustig zu machen über Entmündigung und
Verdummung, die als Religion verkauft werden. Dass Nuhr Beifall von
der falschen Seite bekommt, ist bedauerlich. Dass er den nicht will,
hat der Kabarettist deutlich gesagt.

Wir hauen munter auf den Papst ein und lassen uns bei Witzen über
den Islam den Mund verbieten? Nein. Zur Aufklärung gehört Toleranz.
Allerdings keine Toleranz gegenüber Fanatikern. Sie durch den Kakao
zu ziehen, ist nachgerade die Pflicht eines aufgeklärten Menschen.

Pressekontakt:
Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 0751/2955 1500
redaktion@schwaebische-zeitung.de

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