Selbst-Marketing wird wichtiger, Branchen-Grenzen verschwimmen / Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt, wie die zukünftige digitale Arbeitswelt aussehen könnte

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Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften
beschäftigen sich momentan intensiv mit der Frage, wie man die
Menschen auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten kann. Um dies zu
unterstützen, ließ die Vodafone Stiftung nun eine Zukunftsstudie des
Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI
erstellen, die heute in Berlin veröffentlicht wurde. „Wir können die
Zukunft zwar nicht vorhersagen“, so die Studienleiterin des
Fraunhofer ISI, Dr. Simone Kimpeler, „aber wir sehen zwei
Entwicklungen, die mit großer Sicherheit das Berufsleben in den
nächsten Jahren massiv beeinflussen werden: das Selbst-Marketing wird
wichtiger und die Grenzen zwischen den Branchen verschwimmen“. Laut
der Studie lässt sich dies wie folgt zusammenfassen.

Steigende Bedeutung von Selbstorganisation und Selbstvermarktung

In der digital vernetzten Wirtschaft können die
Wertschöpfungsprozesse in noch kleinere Arbeitsschritte unterteilt
und dann flexibel ausgelagert werden. Dies reicht von
wissenschaftlichen Analysen, die an einen Verbund aus spezialisierten
Forschern vergeben werden, über Grafik-Entwürfe an einen
freiberuflichen Designer bis hin zu einfachen Routine-Tätigkeiten an
ein Heer aus „Click-Workern“. Dies gilt aber auch für
Dienstleistungen am Menschen, wie Wellness, Pflege und
Kinderbetreuung. Es werden also immer mehr Menschen – aus allen
Hierarchiestufen und Berufsfeldern – an immer häufiger wechselnden
Projektaufträgen arbeiten, um die sie sich immer wieder neu bewerben
müssen. Dies hat weitreichende Folgen.

– Es erfordert nicht nur eine ausgeprägte Fähigkeit zur
Selbstorganisation, sondern auch zur Selbstvermarktung. Wer diese
nicht hat, wird schnell abgehängt. Es droht eine weitere Spaltung des
Arbeitsmarktes – zwischen den Menschen, die perfekt vernetzt sind und
ihre Kompetenzen auf den entsprechenden Karriereseiten sowie
Auftragsvergabeplattformen im Internet sehr gut darstellen können und
all jenen, die dies nie lernen konnten. Dies betrifft den Taxifahrer
auf Uber genauso wie den Unternehmensberater auf LinkedIn.

– Noch brisanter wird all dies dadurch, dass es mithilfe
digitaler, tragbarer Messgeräte (wearables) immer mehr Möglichkeiten
gibt, seine eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu bewerten und
im Internet zu teilen. Was bereits heute viele Hobby-Sportler
freimütig tun, um zum Beispiel ihre Joggingerfolge online zu
vergleichen, könnte bald auch auf die „berufliche Fitness“
ausgeweitet werden – weil die Auftraggeber dies immer mehr verlangen
oder auch weil die Auftragnehmer es von sich aus stärker anbieten, um
sich im härter werdenden Wettbewerb durchzusetzen. Das Bildungssystem
muss sich auf diese Herausforderungen einstellen.

– Schulen, Berufsschulen und Hochschulen sollten den jungen
Menschen künftig nicht nur mehr digitale Basiskompetenzen vermitteln,
sondern sie auch dabei unterstützen, ihre Stärken und Kompetenzen
präzise einzuschätzen und verantwortungsvoll Daten über sich selbst
zu verbreiten. Darüber hinaus braucht es ebensolche Angebote in der
Weiterbildung für diejenigen, die bereits im Berufsleben stehen, um
auch ihnen zu helfen, sich diese Fähigkeiten anzueignen. Die Politik
darf all diese Bildungseinrichtungen mit dieser Aufgabe nicht allein
lassen, sondern sollte sie mit den hierfür nötigen Ressourcen
unterstützen.

Branchen-Grenzen verschwimmen, mehr fachübergreifende Kompetenzen
gefragt

In Zukunft werden immer mehr Aufgaben softwarebasiert erledigt und
in automatisierte Prozesse übersetzt – über klassische
Branchengrenzen hinweg, zum Beispiel von der Produktion über die
Logistik bis zum Handel. Somit steigt die Bedeutung von
branchenübergreifenden Kompetenzen, verglichen mit klassischen
branchenspezifischen Kenntnissen, spürbar an. Hierzu zählen sowohl
digitale Qualifikationen an den Mensch-Maschine-Schnittstellen, als
auch bestimmte soziale Fähigkeiten, die nicht durch Computer ersetzt
werden können. Insgesamt wird die – in Deutschland verhältnismäßig
feste – Berufsstruktur aufgeweicht. Für die Arbeitnehmer wird es
dadurch leichter, die Branche zu wechseln, was ihre beruflichen
Möglichkeiten erweitert, aber auch den Konkurrenzdruck erhöht, weil
mehr Menschen neu in ihre Branche strömen können. Für die Arbeitgeber
wird es dadurch leichter, die dringend benötigend Fachkräfte zu
rekrutieren, da sie in einem größeren Pool suchen können, aber
zugleich wird es schwerer, die Personal-Fluktuation zu begrenzen. All
dies birgt große Herausforderungen – in der dualen Berufsausbildung,
der Berufsberatung und der Weiterbildung.

– In der dualen Berufsausbildung gibt es die sogenannten
Berufsbilder, in denen bisher genau festgelegt ist, welche Inhalte
die Auszubildenden für den jeweiligen Beruf erlernen sollen. In diese
Berufsbilder sollten nun die neuen fachübergreifenden Kompetenzen
integriert und mehr Flexibilität beim Wechsel zwischen
Ausbildungsberufen ermöglicht werden. Dies ist eine Aufgabe für die
Sozialpartner, die zudem auch erörtern sollten, welche Anreize die
Betriebe brauchen, damit sie weiterhin in die Ausbildung investieren,
wenn künftig der Auszubildende danach das Unternehmen gleich wieder
verlassen möchte, weil ihm nicht nur andere Unternehmen, sondern auch
andere Branchen offen stehen.

– In der Berufsberatung dürfen künftig nicht mehr nur
hauptsächlich jüngere Menschen im Fokus stehen. Die Bundesagentur für
Arbeit und alle anderen Akteure, die sich in diesem Bereich
engagieren, sollten sich dabei noch stärker auch weiteren
Altersgruppen widmen, wenn immer mehr Menschen im Laufe ihres Lebens
die Branche oder den Beruf wechseln (müssen). Um das lebenslange
Lernen zu unterstützen, braucht es auch eine lebenslange
Berufsberatung.

– In der Weiterbildung bedarf es gezielterer Angebote und Anreize,
die von Staat und Wirtschaft gemeinsam gefördert werden müssen. Dazu
gehört auch ein Ordnungsrahmen mit besseren Qualitätsstandards, so
dass es leichter wird, in dem derzeit recht unübersichtlichen Feld,
diejenigen Weiterbildungen auszuwählen, die wirklich gut und
anerkannt sind. Schließlich steigt auch die Bedeutung von
Weiterbildungszertifikaten, wenn es – wie die Studie zeigt – immer
wichtiger wird, die eigenen Kompetenzen immer wieder neu zu
vermarkten, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.

Die Studie steht zum kostenlosen Download bereit unter:
www.vodafone-stiftung.de

Über die Vodafone Stiftung Deutschland

Die Vodafone Stiftung ist eine der großen unternehmensverbundenen
Stiftungen in Deutschland. Unter dem Leitmotiv „Menschen und Ideen
fördern“ unterstützt die Stiftung als gesellschaftspolitischer
Thinktank insbesondere Programme in den Bereichen Bildung,
Integration und soziale Mobilität mit dem Ziel, Impulse für den
gesellschaftlichen Fortschritt zu geben, die Entwicklungen einer
aktiven Bürgergesellschaft zu fördern und gesellschaftliche
Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es der Vodafone Stiftung
Deutschland vor allem darum, benachteiligten Kindern und Jugendlichen
den sozialen Aufstieg zu ermöglichen.

www.vodafone-stiftung.de

Über das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung
ISI

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Es erforscht
die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen
und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und
Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellt das Fraunhofer ISI
seinen Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft
Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen
zur Verfügung. Die Expertise des Competence Centers Foresight am
Fraunhofer ISI liegt in der fundierten wissenschaftlichen
Foresight-Methodenkompetenz sowie einem interdisziplinären und
systemischen Forschungsansatz.

www.isi.fraunhofer.de

Pressekontakt:
Danyal Alaybeyoglu
Leiter Kommunikation

Vodafone Stiftung Deutschland
gemeinnützige GmbH
Büro Berlin
Behrenstraße 18
10117 Berlin

Telefon: 030 – 206 176 13
Mobil: 0172 – 240 33 59
Fax: 030 – 206 176 29
danyal.alaybeyoglu@vodafone.com
www.vodafone-stiftung.de

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