„So kann es nicht weitergehen – Europa muss sich neu erfinden“: Joschka Fischer in „ZDF zoom“über Brexit und die EU (FOTO)

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„Wenn der Brexit abgewehrt wird, wird man Europa neu erfinden
müssen. Genauso, wenn die Briten gehen. Egal wie diese Entscheidung
ausfällt: So kann es nicht weitergehen, so werden die Nationalisten
immer stärker.“ Das sagt der ehemalige deutsche Außenminister und
Europa-Vordenker Joschka Fischer gegenüber „ZDFzoom“. In der
Dokumentation „Gemeinschaft war gestern – Europa ohne Zukunft“, die
am Mittwoch, 1. Juni 2016, um 22.45 Uhr, im ZDF zu sehen ist, findet
Fischer klare Worte: „Einerseits gibt es das Effizienz-Defizit der
Union: Die Union kann nicht liefern, was die Menschen erwarten, weil
das die Nationalstaaten ehrlich gesagt auch nicht zulassen. Und auf
der anderen Seite gibt es aber das große Sinn-Defizit: Wohin will
dieses Europa? Was ist sein Zweck?“

Am 23.Juni stimmen die Briten über ihren Verbleib in der EU ab.
Und viele fragen sich: Ist das der Anfang vom Ende der Gemeinschaft?
Im Interview mit „ZDFzoom“ bezeichnet Joschka Fischer die Debatte
über den Austritt Großbritanniens als Chance. Denn sie zwinge Europa,
sich neu zu definieren. Nach Meinung Fischers müsse die Reform eine
engere Zusammenarbeit zum Ziel haben. Der ehemalige Außenminister
wörtlich: „Eine Neuverteilung der Macht zwischen Nationalstaaten und
Europa, eine Neuverteilung auch des Geldes, auch das wird eine Rolle
spielen, und eine Neuverteilung auch der Souveränität.“ Weiter zeigt
sich Fischer überzeugt, dass Deutschland und Frankreich vorangehen
sollten: „Ich glaube, wichtig wäre, sich mit den Franzosen an einen
Tisch zu setzen und zu sagen: –So Freunde, jetzt mal hinter
verschlossenen Türen, Klartext. Wir haben ein Problem, unser Geld zu
vergemeinschaften. Ihr habt ein Problem staatliche Macht weiter zu
vergemeinschaften. Können wir uns da einigen?–„.

Mit Blick darauf, dass auf Gipfeln der EU-Staats- und
Regierungschef immer weniger Kompromissbereitschaft herrsche, mahnt
der ehemalige EU-Ratspräsident Fischer, das Projekt Europa dürfe
nicht an Nationalismen scheitern: „Europa ist vor allen Dingen eine
große Friedensordnung. Und Europa ist gebaut gegen den Nationalismus.
Europa ist der immerwährende Kompromiss. Kompromiss heißt: sich mit
den Nachbarn vertragen. Alle haben so ihre Marotten. So ist das halt
im Leben.“

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