Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zur Flüchtlingskrise

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Grenzen auf, Grenzen zu. In Krisenzeiten
agierte die Kanzlerin bislang immer traumwandlerisch sicher. Diesmal
scheint es fast so, als hätte ihre stärkste Waffe einen Augenblick
lang versagt: ihre stocknüchterne Analysekraft. Es war ja nicht die
Einsicht, dass ein weiterer ungebremster Zuzug die Aufnahmekraft auch
eines sehr starken Landes überstrapaziert. Es war der vehemente
politische Widerstand der bayerischen CSU, dann die ungebrochene
Widerständigkeit vieler EU-Staaten, die Merkel zur Korrektur
gezwungen haben. Mag sein, dass die Griechenlandkrise ihren Teil
beigetragen hat. Angela Merkel mag während des zähen Ringens mit
Athen den Eindruck gewonnen haben, man könne den Rest Europas zu
seinem Glück zwingen und Deutschland hätte als einziges Land dazu
auch die Macht- und Geldmittel. Das ist vorbei. Die deutsche Politik
verschafft sich mit den Grenzkontrollen eine Atempause, die die
Bundesländer dringend brauchen, um aus dem Kreislauf täglicher
Ad-hoc-Entscheidungen herauszukommen.

Pressekontakt:
Stuttgarter Nachrichten
Chef vom Dienst
Joachim Volk
Telefon: 0711 / 7205 – 7110
cvd@stn.zgs.de

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