Südwest Presse: KOMMENTAR · ABGASTEST

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Der Kniefall

Thermofenster, so lehrt ein Klick ins Internet, sind im Hausbau
Energiesparer und umweltfreundlich. Doch jetzt staunt der Autokäufer:
Thermofenster gibt es auch bei Autos. Nein, nicht zum Rausgucken. Das
Wort bezieht sich auf das Rauspusten gesundheitsschädlicher Stoffe.
Autobauer dürfen Abgassysteme abschalten – bei 10 oder gar 17 Grad
plus. Müssen da Daimler, Opel und Co. wirklich um ihr Motorsystem
fürchten? Damit begründen sie ihr Vorgehen. Natürlich nicht. Der
thermofensterlnde CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt redet den
Abgasskandal schön. Er interpretiert auch EU-Gesetze neu. Sie
verbieten Abschalten der Abgassysteme im Normalbetrieb – 10 Grad
Außentemperatur gehört dazu. Dobrindt verteilt zudem 27 der 53
Testfahrzeuge einen Persilschein. Nur fünf halten die Euro-Norm in
allen Prüfzyklen ein. Vor allem beim Test, der normalem Fahrverhalten
am nächsten kommt, überschreiten selbst Neuwagen Abgaswerte bei
weitem. Viel tiefer kann ein Minister vor der Autoindustrie nicht die
Knie beugen. Gewiss, er will ein Überspringen des VW-Skandals auf
weitere Firmen vermeiden. Doch er hilft ihnen nicht. Andere Länder
setzen Grenzwerte durch. Dobrindt bestätigt aber eine Politik, die
den Großen einer Branche Rechtsverstöße durchgehen lässt. Deutsche
Ingenieure können saubere Autos bauen, ihre Unternehmen müssen aber
dazu angehalten und endlich kontrolliert werden.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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