Südwest Presse: Kommentar Antibiotika – Weniger hilft mehr

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Sachzwänge nennt man das: Berufstätige Mütter brauchen
gesunde Kinder, Ärzte zufriedene Patienten, Landwirte fitte Hühner,
Schweine und Rinder. Die einen verlangen Antibiotika, andere
schreiben die Rezepte aus oder besorgen sich die Präparate. Leider
helfen die einstigen Wundermittel immer weniger. Denn die Bakterien
immunisieren sich rasch gegen die Angriffe. Die Folge: Tausende
Menschen sterben, weil selbst Reserve-Antibiotika versagen. Nun
unternimmt Gesundheitsminister Hermann Gröhe einen Anlauf, diesen
tödlichen Kreislauf zu durchbrechen. Wie er die Ärzte in die Lage
versetzen will, durch ein Paragraphenwerk die richtige Diagnose und
Therapie zu finden, wird ein höchst spannendes Unterfangen. Schwer
vorstellbar, dass es hier einfach Lösungen gibt. Krankheiten sind
Individualgeschehen. Sein Ziel ist aber absolut korrekt: Antibiotika
gegen jeden Infekt zu verschreiben, führt genau zu den Resistenzen,
die tödlich enden können. Erfahrene Hausärzte pflegen gern zu sagen:
Grippale Infekte sind mit Arznei in einer Woche verschwunden, ohne
Mittel dauert die Erkrankung sieben Tage. Genau darum geht es: Wie
der Name schon sagt, helfen Antibiotika nur gegen
Bakterien-Erkrankungen. Sie können weder in Tierställen zur
Vorbeugung, noch gegen die übliche Erkältung rezeptiert werden. Und
das Kindeswohl hat Vorrang vor dem Zwang der Mutter oder des Vaters,
sich am Arbeitsplatz für unentbehrlich zu halten.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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