Südwest Presse: KOMMENTAR · BAHNSTREIK Bis zum Sommer

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Claus Weselsky wird in den kommenden Tagen wieder zum
Buhmann der Nation werden. In den Augen von Millionen Pendlern ist
der streitbare Chef der Lokführergewerkschaft GDL allein
verantwortlich für stundenlange Wartezeiten auf den Bahnsteigen und
Endlosstaus auf dem Weg in die Innenstädte. In der Tat nimmt die
Salamitaktik des Sachsen ein ganzes Land in Geiselhaft. Nicht nur
Menschen auf dem Weg zur Arbeit stöhnen, auch für die Industrie
summieren sich die Belastungen durch die Ausstände auf inzwischen
hohe dreistellige Millionensummen. Doch ist der GDL-Boss wirklich
alleine Schuld an dem offensichtlich kaum lösbaren Streikdilemma? Es
erscheint merkwürdig, dass Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber – wie
auch gestern – immer wieder davon spricht, dass man kurz vor einer
Lösung gestanden habe, die GDL dann aber die Verhandlungen
abgebrochen habe. Weselsky kann daran eigentlich kein Interesse mehr
haben. Er braucht bald einen Abschluss. Spätestens zur Sommerpause
will die Regierungskoalition ihr Tarifeinheitsgesetz verabschiedet
haben. Danach soll sich der Abschluss in einem Unternehmen an der
größten Einzelgewerkschaft ausrichten. Im Fall der Bahn ist das die
Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die GDL und mit ihr Weselsky
verschwänden in der Bedeutungslosigkeit. Nach den frustrierenden
Erfahrungen der vergangenen Jahre ist genau dies das Ziel der Bahn.
Eine Tarifeinigung kurz vor dem Inkrafttreten des Gesetzes gäbe
Weselskys Minigewerkschaft neuen Schub. Das will die Bahn verhindern
– und nimmt offenbar Streiks bis zum Sommer in Kauf.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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