Südwest Presse: Kommentar: Gauck

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Wenn Joachim Gauck bald auch offiziell erklären wird,
dass er für eine zweite Amtszeit als Bundespräsident nicht zur
Verfügung steht, trifft diese Nachricht die politische Klasse nicht
unvorbereitet. Schon seit Wochen pfiffen es die Spatzen von den
Berliner Dächern, dass Gauck mit Rücksicht auf sein fortgeschrittenes
Alter das Schloss Bellevue nach fünf Jahren verlassen will – allen
Versuchen von Union, SPD und Grünen, das populäre Staatsoberhaupt zum
Weitermachen zu drängen, zum Trotz. Joachim Gauck ist so frei, eine
sehr persönliche Entscheidung zu treffen – auf dem Höhepunkt seines
öffentlichen Ansehens und in einer Zeit, da viel für eine zweite
Wahlperiode spräche. Gauck hat dem Amt gut getan, und er stünde im
Schatten von Flüchtlingskrise, Europa-Skepsis und
Politikverdrossenheit überparteilich für Stabilität, Vernunft und
Ausgleich. Es wird schwer, einen vergleichbaren Ersatz zu finden.
Daher ist die Frage, wer Gauck nachfolgen soll, keine bloß
protokollarische Angelegenheit, sondern von politischer Bedeutung.
Zumal ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl erhält die
Präsidentenkür symbolisches Gewicht, womöglich sogar Signalcharakter.
Das macht die Suche nach geeigneten Kandidaten zusätzlich
kompliziert, vor allem für Angela Merkel. Auf der Kanzlerin lastet
angesichts unklarer Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung
eine besondere Führungsverantwortung.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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