Südwest Presse: KOMMENTAR · GÜNTER GRASS

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KOMMENTAR · GÜNTER GRASS

Politischer Jahrhundertdichter Bescheiden war er nicht, der
Schriftsteller Günter Grass. „Mein Jahrhundert“ heißt eines seiner
Bücher, 1999 veröffentlicht. Er war tatsächlich ein deutscher
Jahrhundertschriftsteller, der 1999 als Weltliterat den Nobelpreis
erhielt – ja, „er war das 20. Jahrhundert, mindestens nach Thomas
Mann“, erinnerte sich Per Wastberg von der Schwedischen Akademie
gestern an die damalige Entscheidung. Seinen gewichtigen Platz in der
Literaturgeschichte hat der jetzt im Alter von 87 Jahren gestorbene
Günter Grass sicher – nicht nur wegen seines Romans „Die
Blechtrommel“. Dieses große Werk bleibt. Man muss das klar
festhalten. Denn es ist den vergangenen zehn Jahren – nicht zu
Unrecht – viel über den selbstgerechten Moralapostel Grass hergezogen
worden, der permanent Gott und die Welt kritisierte, sich laut in die
Politik einmischte, aber selbst erst spät in seiner Autobiografie
„Beim Häuten der Zwiebel“ beichtete, als 17-Jähriger Dienst in der
verbrecherischen Waffen-SS getan zu haben. Und dann diese unsägliche
Gedicht-Attacke von Grass auf den Atomstaat Israel! Andererseits:
Grass wurde nicht nur gelesen, sein gewichtiges Wort wurde gehört.
Dieser Schriftsteller störte, provozierte, löste Debatten, nervte
regelrecht. Davon haben wir im Deutschland der Talk-Show-Demokratie
leider viel zu wenige. Im Land der Dichter und Denker war Grass die
seltene Ausnahme eines politisch denkenden, einflussreichen
Schriftstellers.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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