Südwest Presse: Kommentar: Heimatschutz 2.0

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Nun wird die Identitäre Bewegung bundesweit
beobachtet. Das ist gut so. Denn mit der Entscheidung, der
Einschätzung mehrerer Bundesländer zu folgen, zeigen die
Verfassungsschützer, dass sie aus dem zuletzt oft – und oft zu Recht
– erhobenen Vorwurf, auf dem rechten Auge blind zu sein, gelernt
haben. Nach Jahrzehnten, in denen der Feind links verortet wurde,
nehmen die Behörden endlich jegliche Form demokratiefeindlicher
Umtriebe ins Visier. Extremismus ist längst Pop geworden – oder
bedient sich zumindest dessen Symbolik, um junge Menschen dort
abzuholen wo sie im besten Soziologendeutsch stehen. Es gibt
Einschätzungen, nach denen Jugendliche mit bestimmten problematischen
Charakterzügen dort andocken, wo ihnen Halt, Orientierung und vor
allem ein schlicht gestricktes Weltbild geboten wird. Ob sie dann
einer links-, rechts- oder religiös extremen historischen Mission
folgen, hängt oft nur damit zusammen, welchem Sektierer sie als
Erstes in die Arme laufen. Die Identitäre Bewegung, die Angst vor
Überfremdung als ideologischen Anker benutzt, hat ihre Anfänge in
Frankreich und galt in Behördenkreisen lange als Internetphänomen –
was unterschwellig hieß, sich der Sache vorerst nicht annehmen zu
müssen. Das hat sich geändert. Es ist richtig, dass der Staat nicht
wartet, bis ihn Aufmärsche und Gewalt zum späten Handeln zwingen.
Einen Heimatschutz 2.0 sollte niemand verschlafen.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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