Südwest Presse: Kommentar: Österreich

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Eine Überraschung gab es am Ende doch: Der in
Österreich als Favorit für die zweite Runde der Präsidentenwahl
gehandelte Rechtspopulist Norbert Hofer muss zittern. Erst die
Auszählung der Briefwahl-Stimmen wird heute endgültige Klarheit über
Sieg oder Niederlage bringen.Dem bedächtigen Alexander van der Bellen
ist in den vergangenen zwei Wochen eine Aufholjagd gelungen. Ob aus
Überzeugung oder aus der Überlegung, Schlimmeres an der Staatsspitze
zu verhindern, stellten sich um die 50 Prozent der Wähler hinter den
Wirtschaftsprofessor. Möglicherweise ist die Mehrheit der
Österreicher noch aufgewacht.

Das gestrige Votum war nicht nur eine Abstimmung zwischen zwei
ganz unterschiedlichen Charakteren. Es war vor allem ein Votum über
die künftige Politik. Der Rechtspopulist Hofer hatte deutlich
gemacht, dass er ein anderes Österreich will: Eines, das sich
abschottet von Europa, das Minderheiten ausspielen wird gegen die
Mehrheit, ein Land, in das Islam-Feindlichkeit Einzug halten würde.
Da mag der Mann noch so jungenhaft lächeln. Für Europa wäre sein Sieg
Anlass zur Trauer. Dass der FPÖ-Politiker einen so großen Zulauf
verbuchen konnte, ist Ausdruck für das Versagen traditioneller
österreichischer Politik. Auch für EU-Europa muss der Wahlausgang ein
Denkzettel sein. Wer will, dass pro-europäische Kandidaten gewinnen,
muss überzeugende Politik bieten. Davon ist Brüssel derzeit weit
entfernt.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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