Südwest Presse: KOMMENTAR · PALMER

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Provokateur, nicht Revoluzzer

Boris Palmer nimmt Stellung – und die Wogen gehen hoch. Auf dem
Facebook-Profil des grünen Tübinger OB durfte der Leser mitverfolgen,
wie die Gastunfreundlichkeit eines Hüttenwirts auf der Alb oder ein
Lackkratzer in der Rathaus-Tiefgarage Wellen schlugen. Zwischendrin
geht es auch um Politik: hart formuliert, nicht revolutionär. So auch
beim Zoff in Sachen Asylpolitik. Barbara Bosch, Kollegin aus der
Nachbarstadt Reutlingen, erklärte schon Tage zuvor, dass sie das „Wir
schaffen das“ von Kanzlerin Merkel nicht wiederholen mag – da müssten
Bund und Land erst eine ganze Latte an Forderungen erfüllen. Ein
Eklat? Mitnichten. Doch bei Palmer hagelt es Statements – vom
tiefroten bis zum angebräunten Lager. Dabei weiß jeder: Dieser Boris
Palmer ist ein Ultra-Realo, der vom Vater gewiss keine diplomatische
Finesse geerbt hat. Was fordert er eigentlich? Grenzen schließen,
Flüchtlingsströme kanalisieren, Fluchtursachen bekämpfen: Das ist
weder klassisch grün noch radikal. Schade, dass Palmer auch gegen den
Rat Vertrauter seine Positionen oft in so provokative Sätze kleidet.
Sein „So schaffen wir das nicht“ wird natürlich unter Weglassung
aller Erläuterungen von Rechten vereinnahmt. Palmer tut sich und
seiner Partei keinen Gefallen. Im übrigen: Nicht jeder Satz Palmers
muss so schrill kommentiert werden. Er ist der OB einer mittelgroßen
Unistadt. Ganz ehrlich: Wedelt da nicht oft der Schwanz mit dem Hund?

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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