Südwest Presse: Kommentar: Papst

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Ein Aufrüttler

Es ist sein Thema: Eine Welt, die ganz auf die Logik des Gewinns
um jeden Preis setzt, zerstört Gesellschaft und Natur, führt zu
Ausgrenzung, Ungerechtigkeit, im Extremfall auch zu Krieg und
Vertreibung. Alles hängt mit allem zusammen. Das Wirtschaften der
westlichen Welt, unser Bedarf an Konsum und Rohstoffen mit der
Ausbeutung und Perspektivlosigkeit von Millionen Menschen auf der
anderen Seite der Erdhalbkugel. Papst Franziskus hat diese
aufrüttelnden Gedanken in seiner Umweltenzyklika formuliert und jetzt
in Bolivien wiederholt. Die Sätze treffen auf ein politisch weit
links stehendes Umfeld. Boliviens Präsident Morales führt es an. Der
nutzte den Besuch des Kirchenführers, um eigene Weltsichten zum
besten zu geben. Papst Franziskus ist dieses Wagnis eingegangen. Er
sucht den Schulterschluss mit sozialen Bewegungen. Gerade sie will er
als Mitstreiter für eine gerechtere und brüderlichere Welt gewinnen.
Der Auftritt markiert eine Zeitenwende. Noch nie hat sich ein
katholischer Kirchenführer politisch so weit nach links gewagt. Der
Aufschrei rechter Kirchen- und Politikkreise wird ihm sicher sein.
Doch bei aller Nähe – vereinnahmen lässt sich Franziskus nicht. Er
spricht keinem oberflächlichen Systemwandel das Wort, selbst wenn
Teile der Zuhörer die harsche Kritik am kapitalistischen System so
verstanden wissen wollten. Franziskus zielt in die Tiefe. Er will
eine „aufrichtige Umkehr des Verhaltens und des Herzens“, weil nur
sie längerfristig zu gerechteren Strukturen führen wird. Das wollte
auch in Bolivien nicht jeder hören. Der Einpeitscher Morales hatte
leichteres Spiel.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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