Südwest Presse: KOMMENTAR · POLIZEI

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Mauer des Schweigens

Polizisten, die auf der Wache zwei Festgenommene quälen, dies mit
dem Handy dokumentieren und per Kurznachricht mit Kollegen teilen –
sollten die Vorwürfe zutreffen, dann sind die Szenen, die sich in der
Inspektion der Bundespolizei in Hannover abgespielt haben, mehr als
verstörend. Denn von der Mentalität erinnern sie an die Fotos der
US-Wächter aus dem irakischen Abu-Ghoreib-Gefängnis. Menschen sind in
Gefahr, sobald Menschen Macht über sie haben. Der Staat, dessen
Sicherheitsorgane das Recht haben, Verdächtige in Gewahrsam zu
nehmen, ist daher in besonderer Weise für deren Unversehrtheit
verantwortlich. Deutschland ist kein Land, in dem Misshandlung zum
systematischen Programm staatlicher Obhut gehört. Doch Exzesse lassen
sich nie ausschließen. Das zeigen in ihrer Häufigkeit irritierende
Einzelfälle – so wie der Feuertod des Sierra-Leoners Oury Jalloh in
einer Polizeizelle in Dessau 2005 oder die Schikanen durch Angehörige
eines Sicherheitsdienstes in einer Asylbewerberunterkunft in Burbach
2014. Im Fall Jalloh rügte das Gericht Korpsgeist und eine Mauer des
Schweigens in den Reihen der Polizei. Die Vorfälle von Hannover
bedürfen deshalb rückhaltloser Aufklärung – allein schon im Interesse
jener Mehrheit der Polizisten, die täglich ihren Dienst korrekt
versieht. Eine Kluft des Misstrauens zwischen Bürgern und Polizei,
wie es sie in den USA gibt, darf in Deutschland erst gar nicht
entstehen.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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