Südwest Presse: Kommentar: Spion und Helfer

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Früher einmal, als die Zukunft noch Verheißung war,
tüftelten ernsthafte Techniker in weißen Kitteln an Robotern, die uns
dereinst öde Hausarbeiten abnehmen sollten. Böden schrubben, Fenster
putzen, Silber säubern.40 Jahre später ist die Zukunft Gegenwart, und
strahlende Konzernmanager in Rollkragenpullovern bescheren uns
tatsächlich einen Haushaltshelfer. Allerdings kann das
lautsprecherartige Gerät,das der IT-Konzern Google gestern
vorstellte, weder schrubben noch putzen. Helfen soll es bei weniger
bodenständigen Tätigkeiten: Flüge buchen, den Wetterbericht für den
Kurzurlaub checken und die anderen Google-Geräte vernetzen. Googles
Helferlein ist somit zugleich mehr und weniger, als die Ingenieure
von einst je zu träumen wagten. In seinem Bestreben, vor seinen
Konkurrenten Apple, Amazon und Facebook jenes Unternehmen zu sein,
das am meisten über das Leben seiner Kunden weiß. Für uns bedeutet
jede Anfrage an den kleinen Helfer, dass er Einzelheiten über seinen
Alltag und seine Gewohnheiten an Google & Co weiterreicht – die diese
Daten nutzen, um mit noch gezielterer Werbung Geld zu verdienen. Die
Roboter, von denen wir einst träumten, wären heute technisch möglich.
Doch sie sind schlicht zu teuer für den Massenmarkt. Ein technischer
Tausendsassa wie Googles Assistent dagegen kostet nicht viel Geld.
Bezahlt wird in Nutzerdaten. Das zeigt: Dieser Helfer hilft weniger
seinem Benutzer – sondern vor allem seinem Betreiber.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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