Südwest Presse: KOMMENTAR · TERROR

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Kein Zurückweichen

Die Attentäter von Paris haben sich ihre Anschlagsziele mit
Bedacht ausgewählt: Es waren Orte, die unsere westliche, unsere
europäische Kultur ausmachen. Ein Fußballstadion, wo Zehntausende
Wochenende für Wochenende – zumeist friedlich – ihren Idolen
zujubeln. Ein Konzertsaal, in dem Bands auftreten, die jenseits
vermeintlicher moralischer und politischer Korrektheit kulturelle
Vielfalt leben. Und jene Freiheit der Bars und Kneipen, in denen
Menschen ganz einfach zusammenkommen – ohne, dass nach Religion,
Geschlecht oder Herkunft gefragt wird. Dieses Vorgehen gibt der Nacht
des 13. Novembers eine neue Qualität. Die Killerbanden des IS und
zuvor von Al-Kaida begnügen sich nicht mehr mit den Angriffen auf
Schauplätze, die symbolisch für die westliche Lebensart stehen. Sie
feuern buchstäblich mitten in unser tägliches Leben, hinein in jene
Kultur, die sich nicht zuletzt aus den Werten der französischen
Revolution speist. Der Feldzug des IS ist nicht nur grausam und
barbarisch, er ist zugleich perfide. Denn er bringt Regierende und
Gesellschaft in ein Dilemma, das kaum lösbar erscheint. Frankreichs
Staatspräsident Hollande sprach kurz nach den Attentaten von einem
„Kriegsakt“, Bundespräsident Gauck nannte sie eine „neue Art von
Krieg“. Es ist richtig: Wir müssen uns verteidigen und
unmissverständlich klar machen, dass der Westen wehrhaft ist. Dazu
gehört auch, dass wir in Europa endlich zu einer geordneten
Flüchtlingsregistrierung kommen. Wir müssen wissen, wer zu uns kommt.
Genauso richtig ist aber: Nein, wir leben nicht im Krieg. Und der 13.
November darf auch nicht, wie so oft in den letzten Tagen behauptet,
das Ende des Europas sein, wie wir es bisher kennen. Er muss ganz im
Gegenteil der Beginn einer Neuentdeckung dieser Idee sein, die in den
vergangenen Jahren zu oft im kleingeistigen Streit unterzugehen
schien. Das bedeutet: Kein Zurückweichen, keine Änderung unseres
Lebensstils, keine Einschränkung der Freiheit. Vor allem aber
bedeutet es keine Ausgrenzung der Menschen, die zu uns kommen und
keine Vorverurteilung, egal, welcher Religion sie angehören. Alles
andere wäre ein Sieg der IS-Mörder, weil sie damit ihrem unheiligen
Krieg neue Nahrung geben könnten und noch mehr Anhänger fänden. Eine
offene Gesellschaft muss immer mit der Gefahr von Anschlägen leben.
Sie ist aber die einzige Antwort auf die Taten des 13. November.
Damit Paris immer die Stadt der Freiheit bleibt – und nicht ein Ort
des Terrors.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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