Südwest Presse: KOMMENTAR · TOTES FLÜCHTLINGSKIND

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Die Macht eines Bildes

Es gibt unter den Tausenden Nachrichtenbildern, die uns in der
Redaktion täglich erreichen, Aufnahmen, die wir kaum ertragen, deren
grausame Realität uns sprachlos macht. Das Bild des ertrunkenen Aylan
am Strand des türkischen Badeorts Bodrum gehört dazu. In blauer Hose
und rotem Hemd lieg der Dreijährige dort, ein Opfer des Krieges in
Syrien, aber auch ein Opfer der unentschlossenen Politik Europas, die
dem Treiben der Schleuserbanden nicht Einhalt gebietet. Müssen Medien
ein solches Foto zeigen? Ist die Zurschaustellung des kleinen Körpers
widerwärtiger Voyeurismus oder journalistische Pflicht? Viele
Redaktionen haben darüber diskutiert, viele haben sich entschieden,
den Tod von Aylan zu dokumentieren. Von der „Bild“-Zeitung bis hin
zur Londoner „Times“ und der „Washington Post“. Bilder können eine
mächtige Wirkung entwickeln, Bilder können den Kurs der Politik
beeinflussen. In unser kollektives Gedächtnis hat sich das Bild des
nackten, schreienden vietnamesischen Mädchens eingebrannt, das im
Juni 1972 vor dem Napalm-Angriff auf ihr Dorf Trang Bang flüchtet. Es
hat damals den Blick der Welt auf den Vietnam-Krieg verändert. Ein
Bild, das jedes Tabu bricht und eigentlich nie hätte gedruckt werden
dürfen. Aber geholfen hat, den Krieg zu beenden. Der Tod eines Kindes
macht niemals Sinn. Doch vielleicht hilft der Anblick des toten
Aylan, den kleinmütigen und unwürdigen Streit der Europäer zu
beenden, wie den Flüchtlingen geholfen werden kann. Kein Land kann
sich aus der Verantwortung stehlen, Europa muss endlich gemeinsam
handeln. Aus Respekt vor Opfern wie Aylan.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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