Südwest Presse: KOMMENTAR · TÜRKEI

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KOMMENTAR · TÜRKEI

Grenzen der Totalverweigerung Der Bürgerkrieg im Osten der Türkei
rückt näher: Inzwischen hat er das Herz der Türkei erreicht. In
Istanbul wurden Anfang des Jahres zwölf Deutsche Opfer der Gewalt –
und auch jetzt scheinen deutsche Institutionen wieder im Visier von
Gewalttätern zu sein. Wer sie sind – ob tatsächlich radikale
kurdische Splittergruppen oder möglicherweise Gefolgsleute der
Terrormiliz IS – lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die
Informationspolitik der türkischen Regierung ist Bestandteil einer
militärischen Strategie. Trauen kann man ihr nicht. Da passt es gut
ins Bild, dass der Staatschef selbst Hatz auf kritische Journalisten
betreibt. Mehr und mehr sind davon auch ausländische Korrespondenten
betroffen. Ihnen wird die Arbeitsgrundlage entzogen. Erdogan versucht
zu kontrollieren, was sein Land und die Welt über ihn denkt – und
bewirkt auf diesem Weg genau das Gegenteil. Tatsächlich war die EU
noch nie so auf Erdogan angewiesen wie heute. Der EU-Gipfel zeigt
das. Unantastbar macht das den Herrscher vom Bosporus nicht.
Innerhalb der EU wächst Widerstand gegen große Zugeständnisse an
Ankara. Zu recht. Mit dieser Türkei ist in Europa kein Staat zu
machen. Wer jedoch Erdogans Anspruch stutzen will, muss die
europäische Solidarität stärken. Die Strategie der Totalverweigerung
funktioniert nicht, weder in Brüssel in der Flüchtlingsfrage, noch im
Kurdenkonflikt in der Türkei, wo sich Erdogan ganz kompromisslos
gibt.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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