Südwest Presse: Kommentar Türkei – Mehr Details bitte

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Der Vorwurf ist brisant, ebenso der Zeitpunkt der
Veröffentlichung. Die Türkei soll als Terrorplattform Islamisten im
Nahen Osten unterstützen. Eng sollen die Verbindungen zur
Muslimbruderschaft in Ägypten sein, was kein Geheimnis ist. Intensiv
die Beziehungen zur palästinensischen Hamas, die Ankara nicht als
Terrororganisation einstuft, brisant die Nähe zur Terror-Miliz IS.
Die Oppositionszeitung „Cumhuriyet“ hatte bereits im Frühjahr 2015
über Waffenlieferungen berichtet. Heute zahlen die verantwortlichen
Journalisten dafür einen hohen Preis. Ankara wird sich auch für die
schweren Anschuldigungen aus dem Innenministerium in Berlin
revanchieren. Die Vorwürfe schlagen auf zu einer Zeit, in der das
deutsch-türkische Verhältnis auf einem Tiefpunkt ist. Beide Seiten
haben Sprache und Verständnis für einander verloren. Das ist nicht
ohne Risiko angesichts der brisanten Verflechtungen in der
Flüchtlingsfrage und in außen- und sicherheitspolitischen Belangen.
Insofern hinterlässt die ursprünglich nicht gewollte und zwischen dem
Innen- und Außenministerien wohl auch nicht abgestimmte
Veröffentlichung einen politischen Schaden. Eine politische
Katastrophe ist die Indiskretion indes nicht. Die Öffentlichkeit hat
einen Anspruch auf wahrhaftige Informationen, auch in politisch
schwierigen Zeiten. Die Einschätzungen betreffen
Sicherheitsinteressen des Landes und den Einsatz deutscher Soldaten
an der türkischen Außengrenze. Zur wirklichen Beurteilung braucht es
aber Differenzierung: Wie lange wurde welche Terrorgruppe wie
unterstützt? Ohne Antwort darauf wird aus einer peinlichen
Indiskretion leicht eine bewusste Manipulation.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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