Südwest Presse: Kommentar: Verschlüsselung

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Nun kommt das staatliche Hacking. Denn die
Innenminister Frankreichs und Deutschlands wollen die Kommunikation
der beliebten Messenger knacken. Das ist eine Ansage mit
Konfliktpotenzial, ist doch mittlerweile jeder Schulhof-Chat via
WhatsApp verschlüsselt. Das ist auch gut so. Privatsphäre ist ein
Grundrecht. Denn kommerzielle Datenkraken sind ebenso an unseren
Vorlieben interessiert wie Kriminelle. Die jüngsten Anschläge geben
jenen Auftrieb, die Datenschutz für Täterschutz halten und schon
immer der Ansicht waren, wer sich nichts zu Schulden kommen lasse,
habe nichts zu verbergen. Andersherum wird ein Schuh daraus: Wer sich
korrekt verhält, darf nicht vom Staat behelligt werden. Wer diesen
Grundsatz aufgibt, beschädigt das liberale Verständnis, das jeder
Demokratie zugrundeliegt. Wer Algorithmen künstlich schwächt, Wissen
um noch nicht allgemein bekannte Sicherheitslücken kauft, staatliche
Spyware einsetzt oder Hersteller und Provider zwingt, ihre Kunden zu
bespitzeln, schafft Risiken, die Hackern Einfallstore bieten. Er
zerstört das Vertrauen, ohne das jede unbefangene Kommunikation
unmöglich ist. Er gefährdet den Wirtschaftsstandort, dessen Akteure
auf Verschlüsselung angewiesen sind, und sei es nur beim
Online-Banking. Wie ein Staat zugleich Verschlüsselung fördern und
diese im Einzelfall aushebeln will, ohne einem unlösbaren
Interessenkonflikt anheimzufallen, bleibt ohnehin ein Rätsel.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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