Südwest Presse: Kommentar: Wehrpflicht

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Als die damalige Koalition von Union und FDP zum 1.
Juli 2011 die allgemeine Wehrpflicht aussetzte, handelte sie zwar
ohne intensive Beratungen in den beteiligten Parteien, aber nicht
kopflos. Die Situation der damals Betroffenen war schon eine Zeitlang
höchst unbefriedigend, weil nur noch ein Bruchteil eines jeden
Jahrgangs eingezogen wurde – aus sehr unterschiedlichen Gründen. Von
Wehrgerechtigkeit konnte keine Rede mehr sein. Nun hat sich seither
nicht nur die Sicherheitslage verändert: In Europa spielt Russlands
Präsident Putin wieder mit den Muskeln, und der internationale
Terrorismus stellt auch Deutschland vor zusätzliche
Herausforderungen. Jüngst ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der
Ankündigung aufhorchen, dass der Wehretat der Bundesrepublik spürbar
steigen müsse angesichts wachsender Bedrohungen, und
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen plant eine personelle
Aufstockung der Armee. Gewandelt haben sich zudem die Anforderungen
an zivile Hilfsdienste und soziale Organisationen, die teilweise
unter erheblichem Nachwuchsmangel wegen geburtenschwacher Jahrgänge
leiden. Insofern kann die Wiedereinführung der Wehrpflicht und eines
entsprechenden Ersatzdienstes durchaus eine Option sein – nicht nur
wegen des erhöhten Personalbedarfs beim Bund und den zivilen
Diensten. Gerade in Zeiten einer zunehmend individualistischen
Lebensplanung könnte ein Pflichtdienst von zwölf Monaten eine
integrative Wirkung für die Gesellschaft und auf die junge Generation
entfalten. Vom Staat verlangen wir immer mehr, aber es gibt eben auch
Bürgerpflichten.

Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218

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